Glücksgeschichten und -märchen

Wer war das?

Wer war das? - Oder wie aus „Schuld“ reinster Segen werden kann
 
Eine Elfe flog eines Tages durch einen herrlichen Frühlingstag über eine bunte Blumenwiese. Plötzlich hörte sie ein lautes Schluchzen. Sie flog dem Geräusch entgegen und erblickte ein kleines Mädchen mit geflochtenen Zöpfen. Es saß auf der Erde, umklammerte mit ihren Ärmchen einen Stein und weinte bitterlich. Schmetterlinge und Libellen umtanzten sie, um sie wieder fröhlich zu stimmen, doch sie sah es nicht. Ihre Tränen bildeten schon ein kleines Bächlein, auf dem kleine Blättchen wie Schiffchen segelten. Winzige Fröschlein saßen auf einigen von ihnen und quakten ein lustiges Lied – doch sie hörte es nicht. Die Elfe ließ sich auf dem Stein nieder und rief: „Hallo, Sonnenkind!“ Erst reagierte das Mädchen nicht, doch beim neunten Mal rufen, wurde es plötzlich still und das Mädchen hob ihren Kopf. Sie schaute staunend auf die Elfe. „Wer bist du?“ Ich bin Regenbogenstolz aus dem Elfenland. Ich hörte dein Schluchzen und fand dich hier. Was ist denn geschehen?“ Der eben noch hoffnungsfrohe Blick des Kindes verfinsterte sich, so als würde eine Wolke sich vor die Sonne schieben und einige Tränen rannen über die ohnehin schon nasse Wange. Die Elfe schickte mit ihrem Zauberstab einen warmen Wind zu ihr, um sie zu trocknen. Stockend begann das Mädchen zu erzählen:
 
 „Mein Herz tut so weh. Mein Papa war so unsagbar böse und hat mich angeschrien und gesagt, ich sei eine Lügnerin. Ich habe es nicht ertragen und bin weggelaufen.“ Die Elfe fragte nach: „Was ist denn geschehen, bevor Dein Papa so böse wurde?“ Das Mädchen antwortete: „Ich hatte meinem Papa ein Bild gemalt – als Überraschung, wenn er von der Arbeit kommt. Ich lief in sein Büro, um es auf seinen Schreibtisch zu legen. Da sah ich durch das große Fenster einen Regenbogen.Ich war so glücklich und wollte ihn begrüßen. Ich lief zum Fenster und öffnete es. Da fuhr ein Wind ins Zimmer und alles wirbelte durcheinander. In dem Moment kam mein Vati ins Zimmer und schrie: „Wer war das?“ Ich zitterte am ganzen Körper und sagte: „Der Wind.“ Doch mein Papa glaubte es nicht. Er sagte, ich sei eine Lügnerin, denn ich hätte ja das Fenster geöffnet – den Fensterflügel hatte ich noch in der Hand. Ich war wie in einem Schock.“ Ich bin so tieftraurig, denn ich habe doch wirklich nichts Böses getan. Nicht einmal den Regenbogen konnte ich mehr begrüßen und mein Bild habe ich vor Schreck zu Boden fallen lassen und bin hierher gelaufen.“ 
 
Die Elfe hatte ihren Kopf in eine Hand gelegt und aufmerksam zugehört. Sie schlug vor, dass sie gemeinsam beten und Gott um eine Lösung bitten. Sie sagte: 
 
„Weißt Du, Gott weiß am besten, warum so etwas geschieht und wie allen Beteiligten geholfen werden kann. Ich kenne ja deinen Vater nicht. Ich weiß nur, dass meistens alles ganz anders ist, als gedacht!“ 
 
Das Mädchen willigte ein. Die beiden setzten sich nebeneinander auf den Stein und beteten zu Gott. In diesem Moment fiel das warme Sonnenlicht auf sie herab. Sie spürten, dass das Gebet im Himmel angekommen war. Das Kind fühlte, wie der Stein von ihrem Herzen genommen war. Sie fühlte sich wieder leicht und froh, dankte der Elfe und lief – nachdem sie sich umarmt und verabschiedet hatten – über die Blumenwiese nach Hause. Sie pflückte noch einige bunte Blumen für ihr Zimmer und tanzte mit den Schmetterlingen um die Wette. Ihr Vater würdigte sie keines Blickes. Doch ihr Herz wurde nicht mehr schwer. Die Elfe hatte ihr Leichtigkeit hineingezaubert. Sie wusste, dass etwas Tiefgreifendes geschehen würde. Sie legte ein aus Blumen geflochtenes Herz mit einem Zettel „Ich hab` dich lieb Papa“ neben seine Arbeitstasche und ging zu Bett.  Sie schlief tief und fest und hörte am Morgen das Auto ihres Vaters vom Hof fahren. Ihre Geschenke lagen noch da, wo sie sie hingelegt hatte am Vorabend.  
Wie jeden Morgen betete sie zu Gott und an diesem Morgen wusste sie, dass der Himmel helfen würde. Herr Regner fuhr in seinem Wagen ins Verlagshaus. Noch immer war er voller Zorn über das Verhalten seiner Tochter. Wochenlang hatte er an der Diplomarbeit geschrieben. Alles war fertig zur Abgabe und dann das. Es war ihm nicht möglich gewesen, sie in der Kürze der Zeit wieder in die geordnete Form zu bringen. Einige Seiten hatte wohl der Wind mit sich genommen. Ihm war zum Weinen zumute gewesen in der vergangenen Nacht. Heute ist Abgabetermin und er kann ihn nicht einhalten. Noch ahnt er nicht, was dieser Vorfall alles nach sich ziehen wird. Bereits eine Viertelstunde vor dem Termin mit seinem Verlagsleiter sitzt er im Sekretariat. Heute geht es um eine Vertragsunterzeichnung für eine hochdotierte Stellung im Verlag. Lange hat er daraufhin gearbeitet. Der Doktortitel würde das i-Tüpfelchen für seine Wertevorstellung sein. Die Sekretärin rief: „Herr Regner sie können jetzt zum Chef hineingehen.“ Er erhob sich und ging noch in Gedanken versunken zur Tür.  Er drückte die Klinke hinunter und öffnete die schwere Eichentür. Plötzlich kam er sich vor, wie in einem Albtraum. Eines der großen Fenster schwang auf und eine Windböe ließ im Zimmer nichts Loses dort, wo es vorher war. Er sah das zornige Gesicht des Verlagsleiters. Er wusste nicht, dass dieser an höhere Fügung glaubte. Herr Regner stand wie angewurzelt im Zimmer – nicht fähig, irgendetwas zu tun. Die Sekretärin, die sich wegen der immer noch offenen Tür wunderte, kam herbeigeeilt und nach Erfassen der Lage, lief sie zum Fenster und schloss es. Sie wollte gerade beginnen, dass große Büro aufzuräumen, als der Verlagschef sie bat, wieder hinauszugehen. Er setzte sich und schloss kurz seine Augen. Er atmete tief ein und aus, bevor er zu sprechen begann: 
 
„Herr Regner – die Entscheidung, Sie zu befördern, stand auf wackligen Füßen. Etwas in mir sagte mir gestern Abend, dass Sie nicht die beste Wahl sind. Nun – jetzt fühle ich dies bestätigt. Ja ich gehe sogar einen Schritt weiter. Ich möchte, dass Sie ihre Sachen packen und gehen. Sie erhalten noch ein Jahresgehalt Abfindung und ein ausgezeichnetes Zeugnis für Ihre Verdienste hier im Verlag. Nun möchte ich Sie bitten, zu gehen.“ 
 
Er hatte all dies ganz ruhig ausgesprochen – so wie ein Vater, ganz ohne Groll. Herr Regner traute seinen Ohren nicht. Noch eben hatte er seinen neuen Posten im Blickfeld gehabt und nun hatte er plötzlich keine Arbeit mehr? Er hob an zu sprechen: 
 
„Aber, das war doch der Wind…“ 
 
Doch mit einer Handbewegung bedeutete sein nun ehemaliger Chef ihm zu gehen und widmete sich dem Aufräumen seines Schreibtischs. Wie in Trance schlich Herr Regner mit gesenktem Kopf aus dem Büro. Er lief zu seinem Büro, packte die persönlichen Sachen zusammen und lief zum Auto. Dort angekommen, setzte er sich ans Lenkrad und starrte leer vor sich hin. Plötzlich durchfuhr es ihn wie ein Blitz. Ihm rannen Tränen in Bächen aus den Augen. Ihm kam die Situation mit seiner Tochter zu Bewusstsein und sein Herz krampfte sich zusammen. Er verstand, wie sie sich gefühlt haben musste. In seinem Inneren wurde eine Stimme laut: 
 
„Nutze die freie Zeit, die Dir durch die Abfindung gegeben ist und reise mit deiner Tochter. Widme ihr deine ganze Aufmerksamkeit. Nächstes Jahr kommt sie zur Schule. Öffne dein Herz für die Liebe und erkenne, was alles schief gelaufen ist in der Vergangenheit. Deine Tochter wird dir so vieles geben, was dir kein Erfolg und Ruhm je schenken kann.“ 
 
Ein warmes Licht durchflutete ihn. Er saß wie angewurzelt auf dem Autositz und blickte in den plötzlich strahlend blauen Himmel. Nach einer gefühlten Ewigkeit stieg er aus dem Auto aus, schloss es ab und lief durch den nahegelegenen Park. Da sah er das Schild des Reisebüros. Er lief entschlossenen Schrittes hin und buchte für sich und Amelie eine drei monatige Reise durch Europa. Sein Herz fühlte sich plötzlich leicht und frei an.  Er erinnerte sich an seinen Jugendtraum: „Reisend die Welt erobern.“ Doch dann kam alles anders. Studium, Heirat, die Geburt von Amelie, bei der die Mutter starb. Plötzlich sah er, was durch den Tod seiner geliebten Frau mit ihm geschehen war. In ihm war es dunkel geworden und durch diese Dunkelheit war er hart und unerbittlich geworden – nicht nur gegen sich selbst, sondern vor allem gegen das, was ihm das Liebste hätte sein sollen: Seine Tochter Amelie, die ihn an seine Frau erinnerte. Wie konnte er nur so blind gewesen sein? Ein Panzer schien aufzuspringen in seinem Inneren. All der vergrabene Schmerz bahnte sich seinen Weg.  Er saß mit den Reiseunterlagen auf dem Schoß auf einer Bank im Park und konnte die Tränen nicht stoppen. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als die Tränenflut plötzlich stoppte und ein Lächeln auf seinem Gesicht erschien. 
Er hatte JETZT alles in der Hand, um das Leben neu zu überdenken, alles besser zu machen. Sein Inneres fühlte sich an, als wäre es voller Schmetterlinge. Eine Lebensfreude durchflutete ihn, wie er sie noch niemals gefühlt hatte. Plötzlich erschien vor seinem inneren Auge seine Frau. Sie lachte ihm entgegen und flüsterte ihm zu: 
 
„Endlich bist du aufgewacht. Die Liebe ist immer noch da und auch ich begleite euch. Alles wird jetzt einen neuen, wunderbaren Weg für euch nehmen. Vertraue und sei dankbar für jeden Tag deines Lebens.“
 
Wie benommen stand er von der Bank auf. Er schüttelte sich, so als wolle er alles Vergangene von sich abschütteln und rannte lachend und pfeifend gleichzeitig zurück zum Auto. Daheim angekommen, rief er schon von draußen nach Amelie. Sie konnte es nicht glauben, des Vaters Stimme so fröhlich nach ihr rufen zu hören. Flugs rannte sie die Treppe hinunter direkt in die Arme ihres Vaters, der sich im Flur hingekniet hatte. Er umarmte sie und weinend sagte er: 
 
„Verzeih mir mein Engel. Heute hat Gott mir ein ähnliches Erlebnis geschenkt, damit mir die Augen geöffnet werden. Auch mir spielte der Wind einen Streich und alles im Büro meines Chefs wirbelte durcheinander.“ 
 
Plötzlich musste er schallend lachen – die Bilder von gestern und heute vor Augen. Auch Amelie fiel in das Lachen mit ein. Sie gingen Hand in Hand in die Küche und machten einen Kakao. Als sie am gemütlichen Küchentisch saßen erzählte der Vater Amelie, was geschehen war. Mit großen Augen hörte sie gespannt hin.  Als dann der Vater von der bevorstehenden Reise berichtete, konnte sie ihre Freude nicht verbergen. Sie rannte um den Tisch herum und fiel ihrem Vater um den Hals. Sie konnte gar nicht fassen, was die Elfe für sie getan hatte. Als sie an diesem Abend im Bett lag, betete sie zu Gott, dass die Elfe ihr noch einmal erscheinen möge. Es dauerte gar nicht lang und vor ihrem Fenster erschien ein helles Licht. Sie wachte auf von dem hellen Schein und lief zum Fenster. Dort wartete schon die Elfe mit ihrem Zauberstab. Amelie streckte ihre Hand aus, damit die Elfe darauf Platz nehmen konnte. Unter Freudentränen erzählte Amelie was geschehen war. Sie konnte ja nicht wissen, dass die Elfe bereits über alles im Bilde war. Es war so wunderschön, in die glücklichen Augen dieses Kindes zu blicken. Die Elfe sprach:   „Warte nur Amelie, das ist erst der Anfang… Auf dich und deinen Vater wartet nun ein Leben voller Freude ohne Ende. Er hat das Geschenk der Situation erkannt und so eine Tür geöffnet, die direkt ins Paradies führt.  Gottes Plan für Euer Leben darf sich verwirklichen. Alles wird noch viel schöner werden, als du und dein Vater sich das in Träumen auszumalen vermögen. Meine Arbeit ist getan. Ich wünsche Dir aus ganzem, tiefem Herzen alles Beste und denke immer daran, dass wir immer da sind, auch wenn du uns nicht sehen kannst. Wann immer jemand Hilfe und Unterstützung braucht, sind wir da und Gott sowieso.“   Amelie standen Tränen in den Augen, so berührt war sie von den Worten der Elfe. Sie fühlte, dass sie nie mehr allein sein würde. 
 
„Ich werde dich nie vergessen und auch meinen Kindern später von dir erzählen! Und immer werde ich Gott dankbar sein für das Geschenk an uns!“ 
 
Die Elfe hüllte sich in Goldstaub und war entschwunden. Am nächsten Tag packten Amelie und ihr Vater ihre Koffer für die lange Reise. Ihrer Nachbarin gaben sie die Schlüssel für das Haus. Gerne schaute diese nach allem, während der Abwesenheit. Als der Vater noch ein letztes Mal zum Briefkasten ging, um die Post zu holen, traute er seinen Augen nicht. Ein Brief von der Lottogesellschaft. Ihm wurde mitgeteilt, dass er einen großen Geldgewinn bekommen würde. Er schüttelte den Kopf: 
 
„Was ist nur plötzlich los?“ 
 
Bevor sie auf ihre Europatour starteten, warf Herr Regner noch den Brief mit den Bankdaten in den Kasten und mit einem Lächeln im Gesicht begann die Reise in ein neues Leben. In Kroatien verloren Vater und Tochter ihr Herz an einen beschaulichen Ort. Beide wussten: Hier bleiben wir! Ein Häuschen mit kleinem Garten an der Küste der Adria wurde ihr neues Zuhause. Schnell lernten sie die Sprache und die Menschen im Dorf kennen und mögen. Herr Regner begann zu schreiben. In ihm erwachte plötzlich ein Talent, von dem er nicht gewusst hatte, dass es in ihm schlummert. In ihm erwachte die Fantasie der Kindertage und es entstanden Geschichten über Geschichten die Kinder und Erwachsene zum Weinen und Lachen brachten. 
Amelie schloss schnell Freundschaft mit den Kindern im Ort und fühlte sich wohl wie noch nie. Eines Tages, als sie am Strand spazierten, fiel ihnen eine Frau auf, die nahe des Wassers an einer Staffelei saß und malte. Sie liefen mit ihrem Picknickkorb näher und schauten, was die Frau malte. Beide staunten mit offenem Mund, welch paradiesische Landschaft die wunderschöne Frau da gemalt hatte. Als die Frau sich ihnen zuwandte und sie anlächelte war es, als ob der Himmel sich öffnete und Engelchöre ein Lied anstimmten. Sie konnten ihre Augen nicht voneinander abwenden und schauten sich minutenlang nur an. Amelie war die erste, die ihre Sprache wiederfand: 
 
„Sind Sie allein?“ 
 
Die Frau lachte und stellte sich vor: 
 
„Ich heiße Liliane, wohne hier seit 3 Jahren allein und wusste, dass Gott mich aus einem bestimmten Grund an diesen Ort gebracht hat.“ 
 
Herr Regner wischte sich seine Augen, schloss den immer noch aufstehenden Mund und stammelte: 
 
„Das ist Amelie meine Tochter und ich bin Georg. Wollen Sie uns heiraten?“
 
Alle drei mussten plötzlich lauthals lachen und konnten lange nicht aufhören. Sie setzten sich zusammen an den Strand, ließen sich das Picknick schmecken und erzählten sich bis in die Nacht hinein so ziemlich alles, was man wissen sollte, um sich kennenzulernen und miteinander glücklich leben zu können. Die Sterne beleuchteten das Szenario und ein warmer Wind umarmte die drei die sich nicht gesucht und doch gefunden hatten, weil es so vorbestimmt gewesen war. 
 
Das Leben schreibt eben doch immer noch die schönsten Geschichten für all jene, wenn die Liebe alles zum Besten führen darf.

(c) Ines Evalonja

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Die Brücke ins Paradies

 

 

Das Mädchen Bellamaria saß einmal wieder unter ihrem Freund, dem Apfelbaum, und weinte bittere Tränen. All die Schmetterlinge und Libellen, die sie in vergangenen Jahren bewundert hatte, kamen nicht mehr. Das Summen der Bienen war verstummt, Blumen hatten kaum mehr Duft. War sie im Wald unterwegs, hörte sie nur selten Vogelstimmen und nach den Menschen, die früher auf den unzähligen Waldpfaden unterwegs waren, fragte sie schon lange Zeit nicht mehr. Ihr Herz war so schwer geworden, dass sie nur noch gesenkten Hauptes durch die Tage ging. Es kam nur selten vor, dass es eine Pause zwischen den Tränensturzfluten gab.

 

 

Im Himmel sorgte dies für immer mehr Besorgnis. Man hatte dort gehofft, dass sie sich eines Tages wieder erinnern würde, dass allein eine Umarmung ihres Baumfreundes reicht, um in ihr Herz wieder Sonne strahlen zu lassen. Doch sie schien auch vergessen zu haben, dass es ausreichte, eine einzelne Blume mit einem Lächeln zu betrachten und schon würde die Freude zurückkehren. Doch Bellamarie schien vollkommen abgeschnitten zu sein von der Brücke, auf der sie ins Paradies gelangen konnte.

 

 

So beauftrage der Große Rat einen kleinen Engel, der gerade erst seine Flügel bekommen hatte. Für ihn war es sein erster Auftrag, um einen Menschen wieder zurückzuerinnern, was das Geheimnis der Tränen ist. Und so machte sich der kleine Engeljunge Adamus auf den Weg zu jenem Apfelbaum, dessen Wurzeln schon Schaden zu nehmen begannen, an dem nicht enden wollenden, salzhaltigen Strom von Bellamarie`s schmerzvollen Tränen. Dieser zerstörende Strom stockte erst, als etwas ihr über den Kopf strich. Sie hebt ihren Kopf und traut ihren Augen kaum, als sie vor sich die Lichtgestalt eines Engels wahrnimmt. Ungläubig wischt sie sich über die Augen. Doch was sie sieht, bleibt.

 

 

Adamus hebt zu sprechen an: „Warum weinst du liebliches Mädchen?“

 

Bellamarie fragt mit dünner Stimme: „Wer bist du?“

 

Adamus antwortet: „Ich bin Adamus und wurde geschickt, um Deine Tränenflut zu stoppen. Warum weinst Du denn ohne Unterlass?“ Bellamarie beginnen wieder große Tränen aus den Augen zu kullern und schwer hebt sich ihr Brustkorb beim Atmen. Dann erzählt sie stockend von ihren Beobachtungen:

 

„Weißt Du, kleiner Engel, meine glücklichste Zeit erlebte ich immer in der Natur. Ich fühlte mich immer voller Freude beim Tanzen durch die Wiesen gemeinsam mit den Schmetterlingen und Libellen. Die Blumen verströmten einen zarten Duft.Den Vögeln im Wald zuzuhören war reinste Wonne und auch mit den Wanderern unterhielt ich mich so gern. Alles, was mein Herz erfreute, scheint immer weniger zu werden und auch die Bäche und Flüsse trocknen immer mehr aus. Dazu kommt, dass ich kaum noch jemanden fröhlich sehe und der Himmel hat immer seltener die schönen Federwolken. Meist ziehen nur dunkle Gewitterwolken am Firmament umher. Wie soll ich da nicht weinen?“

 

 

Adamus kratzt sich am Kopf und nickt verständnisvoll. Da erscheint die Sonne hinter einer dunklen Wolke. Er beginnt Bellamarie das Geheimnis der Tränen zu erklären. Weißt Du, mit den Tränen ist es so: Je mehr Du aus Kummer und Leid weinst, umso mehr schadest Du allem Leben. Das Salz dieser schmerzvollen Tränen laugt das Erdreich unseres Lebensraumes aus.

 

Das Wasser ohne Salz, das Menschen, Tiere und Pflanzen so dringend zum Leben brauchen, wird immer weniger, dadurch trocknen auch die Bäche und Flüsse immer mehr aus. Der Lebensraum für alle wird immer kleiner und die Dunkelheit nimmt immer mehr Raum ein, weil das Licht nicht mehr in das Innere der Menschen vordringen kann. Der Kontakt mit dem Funken, der die Freude der Menschen entfacht, wird immer kleiner, bis er irgendwann ganz erlischt und nur noch ein Wunder ihn wieder beleben kann. Die Freude ist, was den Menschen belebt und ihn ins Bewusstsein der Liebe hebt. Die Freude verwandelt das Salz der „schmutzigen“ Tränen in einen Zaubercocktail um, der selbst tot Geglaubtes wieder zum Leben erweckt. Durch Deine traurigen Gedanken erzeugst Du selbst immer mehr von den dunklen Gewitterwolken. Da alles miteinander kommuniziert und verbunden ist, verschwindet nach und nach all das, was den Menschen an Leichtigkeit, Lebensfreude und die Liebe erinnert. Kannst Du das verstehen?“

 

 

Mit großen Augen hatte Bellamarie dem kleinen Engel Namens Adamus gelauscht. Und schon wieder begannen Tränen aus ihren Augen zu laufen, als sie antwortet:

 

 

„Das heißt, ich bin schuld an all dem?“

 

 

Der kleine Engel hebt hilfesuchend seine Arme gen Himmel, denn er weiß nicht, was er darauf sagen soll. Doch da kommt ihm eine weise uralte Eule zu Hilfe, die auf einem Baum ganz in der Nähe sitzt.

 

„Nein, kleine Bellamarie. Du hast keine Schuld. Es ist die dunkle Kraft, die noch auf der Erde weilt. Sie lockt die Menschen fort aus der Natur. Sie sagt ihnen, dass all das, was den Menschen und alles um ihn herum, in irgendeiner Weise schädlich sei. Sie lenkt die Menschen ab von allem, was sie gesund erhält und so leben sie auf eine Weise, die die Dunkelheit in ihnen immer mehr fördert und sie sehen nicht mehr, dass all das nur Ablenkungsmanöver sind, um die Freude von ihnen fernzuhalten, damit die Brücke ins Paradies in Vergessenheit gerät. Wenn nur die Kinder wieder nach draußen dürften und so wie früher Freude an den kleinsten Dingen hätten, anstatt sich immer mehr zu wünschen und Ärger zu empfinden, wenn sie einmal etwas nicht bekommen von dem, was man mit Geld bezahlen muss.“

 

 

Erstaunt schaut Bellamarie abwechselnd zu der alten wunderschönen schneeweißen Eule und dem kleinen strahlenden Engel. Ein Hoffnungsschimmer blitzt in ihren Augen wie ein Komet in dunkler Nacht.

 

„Heißt das, wenn ich Freude habe und mir wieder Freudentränen über die Wangen rinnen, kehrt sich alles wieder um?“

 

 

Der kleine Engel und die Eule nicken im selben Augenblick. Die Eule spricht weiter:

 

„Meinst Du, Du kannst Deine Freunde dafür gewinnen, wieder Spiele im Freien zu machen, Blütenkränze zu winden, zu tanzen und solche Dinge?“

 

Bellamarie zuckt ratlos mit den Schultern. Doch da springt der kleine Engel ein:

 

„Ja, ich denke, dass schaffen wir! Du hast doch in zwei Tagen Geburtstag! Wir bereiten ein grandioses Fest mit Spielen im Freien vor und Du verteilst heute noch Einladungen!?“

 

Bellamarie schaut betreten zu Boden:

 

„Wem soll ich den Einladungen geben? Ich habe keine Freunde mehr, weil ich mich nicht für all das technische Zeugs interessiere, mit dem sie sich beschäftigen und auch sonst nicht tue, was sie tun.“

 

Adamus und die Eule schauen sich an und überlegen. Da hat der kleine Engel eine Idee!

 

"Wir bereiten das Fest vor und an Deinem Geburtstag wird es ein himmlisches Ereignis geben, was alle nach draußen locken wird. Glaub mir, sie werden von allein an all den scheinbar vergessenen Spielen Freude haben! Das fühle ich.“

 

Die Eule schlägt aufgeregt mit ihren Flügeln, erhebt sich und fliegt zurück in den Wald. Dort informiert sie die Tiere, die ihrerseits zu diesem Ereignis beitragen wollen, damit alle wieder unter dem blauen Himmelszelt in Frieden miteinander leben können.

 

 

Zwei Tage später sieht es rings um den Apfelbaum ganz anders aus. Überall stehen bunt gedeckte Tafeln, die der Himmel mit Köstlichkeiten aus Mutter Natur bestückt hat. Überall in der Luft hängen bunte Wimpelketten, die von Vögeln gehalten werden und im lauen Sommerwind zu tanzen scheinen. Die Tiere des Waldes sind Teil von unterschiedlichsten Spielparcourts geworden, die darauf warten, von den Kindern spielend eingenommen zu werden. Am nahe gelegenen Bach sprudelt frisches Wasser und es stehen Materialien bereit, um kleine Boote zu bauen und Wehre zu errichten – so, wie sie es zu früheren Zeiten getan hatten.

 

 

Als alle Vorbereitungen beendet sind, pfeift der kleine Engel auf seinen Fingern ein so wunderschönes Lied. Die Melodie rollt sich aus, wie ein riesiger bunter Teppich aus Tönen. Man kann sehen, wie dieser die Wände der Häuser durchdringt. Was Bellamarie nicht weiß, ist, dass diese Melodie nur in die Herzen der Kinder eindringt und diese so sehr berührt, dass sie förmlich wie von einem Magnet nach draußen gezogen werden. Alles, womit sie gerade noch eifrig und wie hypnotisiert beschäftigt waren, bleibt liegen und stehen und sie kommen nach draußen. Alle Mädchen und Jungen – klein und groß – kommen aus den Häusern und stehen zuerst mit offenen Mündern da. Dann plötzlich – als wären sie aus einem Traum erwacht – kommen sie angerannt und staunen beinahe Bauklötzer über all die Vorbereitungen am Apfelbaum. Wie auf ein unsichtbares Kommando hin, erobern sie all die Plätze an den Tafeln und Spielplätzen. Es ist ein Bild, was jedem, der es sieht, nur ein frohes Lächeln entlocken kann. Sie spielen und tanzen, singen und springen umher und die Tiere sind vertrauend mitten unter ihnen.

 

 

Da breitet der kleine Engel Adamus seine Flügel und Hände aus und ein riesiges Regenbogenlicht reicht vom Himmel direkt bis hin zum Apfelbaum. Etwas beginnt die Kinder im Herzen zu verbinden und ein Strom aus Freudentränen benetzt die Erde. Schnell bilden sich daraus kleine Bäche, die in alle Richtungen fließen. Überall heben die Blumen ihre Köpfe und erstrahlen in neuem Glanz und verströmen ihre Düfte. Plötzlich tanzen ringsum Schmetterlinge und Libellen und die Kinderaugen strahlen wie sonst nur im Glanz der Kerzen an Weihnachten. Da kommen, wie von magischer Hand nach draußen gezogen, auch die Erwachsenen an die frische Luft. Es scheint, als würde ein grauer Schleier von ihren Herzen und Seelen enfernt. Sie werden zu den Kindern, die sie einst waren und reihen sich ein in das Bild beglückenden Friedens und einer Freude, für die es keine Worte gibt.

 

 

Der Bann ist gebrochen und das Tor zum Paradies wieder offen. Noch einmal wiederholt der kleine Engel vor all den Kindern das Geheimnis der Tränen, damit es für immer in ihren Herzen steht: Tränen aus Kummer und Schmerz geweint, verdunkeln die Erde und auch Euer Inneres. Sie verhindern, dass ihr euch gernhabt und miteinander in Freude lebt. Jeder schöne Gedanke vertreibt dunkle Gewitterwolken und jede Freudenträne weckt duftende Blumen, Schmetterlinge und Libellen, um mit euch gemeinsam zu tanzen. All die Köstlichkeiten in der Natur schmecken wie der Sonnenschein und beleben wie das klare Wasser Eure inneren kleinen Engel, die Euch zu wunderschönen Abenteuer führen!“ Bellamarie erhält von Adamus an einer goldenen Kette ein vierblättriges Kleeblatt. Es besitzt die Zauberkraft das Tor des Paradieses unsichtbar zu machen und all jenen Zutritt zu gewähren, die die Liebe als das Wichtigste im Leben ehren.

 

Die Kinder bilden Hand in Hand einen großen Kreis um Adamus und singen ihm ein Lied:

 

 

Ein kleiner Engel aus dem Himmel

 

hat uns die Brücke neu gebaut.

 

Seine Flügel umarmen so warm,

 

dass man ohne Ängste dem Leben vertraut.

 

Kleiner, schöner Adamus,

 

wir senden Dir nun jeden Abend einen Gruß,

 

damit auch Du nun immer Freudentränen

 

weinen musst.

 

Ein kleiner Engel kam vom Himmel

 

und rettete uns aus der Dunkelheit,

 

sein Licht war erst klein,

 

doch durch das Licht unserer Herzen

 

wird es heller als die Sonne sein.

 

 

 

Der kleine Engel strahlte in allen Farben, die das Universum kennt und wurde zum ersten Engel, der selbst Freudentränen weinen konnte. Und so regnete es fortan in jeder Nacht das so wichtige Trinkwasser vom Himmel und das Gleichgewicht zwischen Süß und Salzig war für alle Zeiten wieder hergestellt. Bellamarie und alle anderen winken dem kleinen Engel lange nach, der nach diesem geglückten ersten Auftrag in Begleitung aller Vögel des Waldes, der Schmetterlinge und Libellen wieder gen Himmel flog, wo er vom Großen Rat der Engel Goldene Flügel verliehen bekam. Die Vögel, Schmetterlinge und Libellen kehrten mit einer neuen Art zurück: Regenbogenfarbene Schmetterlingslibellen, die ein wunderwirkender Duft umgab, der dunkle Gedanken und Wolken sofort in helle und freudig stimmende umwandelt.

 

Die Brücke ins Paradies sind frohe Gedanken und die Freude an einem einzigen Augenblick – so winzig und klein das, woran man Freude hat, auch sein mag. Die Freude ist das wertvollste Geschenk des Himmels, denn sie verbindet in Windeseile mit der Zauberkraft der Liebe. Der Himmel hat der Erde geschworen, dass es eine Welt voller Glückskinder geben wird.

 

 

Aufgeschrieben von Ines Evalonja – Mai 2017

 

Lichtträgerin - Ein Weihnachtsmärchen

 

Es war einmal an einem Ort irgendwo auf dieser Welt.

 

Der Weihnachtstag ist gekommen. Eine Frau stapft dick eingepackt in ihre Wintersachen durch den Schnee. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt. Die Geschäfte haben geschlossen. Ihr begegnet kaum mehr jemand. Ihre Augen leuchten beim Anblick der vielen Lichter. Durch diese Pracht fühlt sie sich an einen Traum erinnert:

 

 

„Sie stand mit einer anderen Person hoch oben auf einem Berg und sah Millionen Lichter auf sich zukommen: Menschen mit Fackeln und Kerzen. Je näher sie kamen, umso mehr erreichte sie eine Welle ungeahnter fühlbarer Schönheit. Es war das Leuchten in den Augen der Menschen, das Lächeln in ihren Gesichtern, das sie so tief berührte.“

 

Tränen laufen ihr über die Wangen als sie erwacht.

 

 

Weihnachten – die Zeit, in der das Licht zur Erde kam durch die Geburt Jesus Christus. Wie tief fühlt sie die Verbundenheit mit ihm. Auch in diesem Jahr würde das Wunder wieder auf der Erde geschehen. Sind die Menschen vorbereitet? Wird das Wunder in ihnen fühlbar sein?

 

Es wird  immer dunkler. Sie läuft in Richtung eines nahe gelegenen Waldstücks und hebt ihren Kopf zum Himmel.

 

 

Ein nicht zu beschreibender Sternenhimmel erstreckt sich zur Erde. Mit offenem Mund staunt sie über diese Pracht. Plötzlich erhellt eine riesige Sternschnuppe das Himmelsgewölbe und scheint genau auf sie zuzufliegen.

 

 

Sie streckt beide Arme in die Höhe und betet:

 

„Bitte Gott Vater und geliebte Mutter Erde schenkt mir das Wunder dieser himmlischen Nacht.“

 

 

In diesem Moment wird es in ihrem Inneren strahlend hell und sie fühlt eine Wärme, wie sie sie noch niemals zuvor gefühlt hatte. Heiße Tränen rannen ihr übers Gesicht, während sie vor sich eine Lichtgestalt sieht, die mit offenen Armen zu ihr kommt. Mit geschlossenen Augen gibt sie sich dieser Umarmung hin und fühlt die Ewigkeit. Sie scheint sich aufgelöst zu haben.

 

 

Dann plötzlich ist es vorbei und sie steht wieder allein unter dem weiten Himmelszelt. Seligkeit strahlt ihre Erscheinung aus, als sie nach Hause geht.

 

 

Sie ist an ihrem Zuhause angelangt. Es ist nicht viel, was sie für die Weihnachtstage schmücken konnte. Doch das Wichtigste hatte sie: Kerzen und ihre tiefe Freude für diese himmlische Zeit. In ihrem Zimmer angekommen, zündet sie eine Kerze an, als es plötzlich ringsum dunkel wird: Stromausfall.

 

Sie zieht ihre Jacke und die Winterstiefel wieder an, nimmt die brennende Kerze zur Hand und steckt ihren ganzen Kerzenvorrat in eine Umhängetasche, bevor sie wieder nach draußen geht. Ringsum ist es stockfinster.

 

 

Sie klingelt am nächsten Haus. Ihr Nachbar, der sie sonst nie grüßt, steht vor ihr. Sie fragt:

 

„Brauchen sie Licht?“

 

Er schaut sie ungläubig an:

 

„Wieso wollen sie mir helfen, da ich sie doch nie beachte?“

 

Sie strahlt ihn nur an, entzündet eine Kerze und reicht sie dem Mann, der sie plötzlich anlächelt und dankbar umarmt.

 

 

So geht sie von Tür zu Tür im Ort. Überall entschuldigen sich die Menschen bei ihr wegen irgendetwas. Die Frau ist ganz erstaunt über all die Offenbarungen von schlechter Nachrede, unterlassener Hilfe und dergleichen. Immer umarmen die Menschen die Lichtträgerin und so manches Mal fließen Tränen der Erlösung. Und die, denen sie eine Kerze gegeben hat, tun es ihr gleich.

 

 

Da durch den Stromausfall auch sämtliche technischen Geräte nicht mehr funktionieren, verabredet man sich für die Mitternachtsstunde, um auf dem nahe gelegenen Hügel am Ortsrand Dank zu sagen und zu einem gemeinsames Mahl in Form eines Picknicks, für das jeder etwas mitbringen wird. Und so geschah es.

 

 

Die „Frau des Lichts“ steigt schon einige Zeit vor den anderen auf den Hügel. Sie bemerkt nicht, dass jemand neben ihr steht, während sie ins Tal blickt - all den Menschen entgegen, die mit ihren Lichtern, Decken und Köstlichkeiten für das gemeinsame Weihnachtsmahl zum Hügel hin laufen.

 

 

Alle Menschen – Klein und Groß, Alt und Jung - des Ortes kommen. Auf dem Hügel werden Decken ausgebreitet und jeder wird jedem zum Freund – sie fühlen sich wie eine Familie.

 

 

Das Licht der Weihnacht hat einen ganzen Ort in seinen Zauber gehüllt. Dieses Licht strahlt aus ihrem Inneren. Es ist nicht zu beschreiben, was in den Menschen geschieht. Von diesem Ort geht plötzlich ein Licht aus, das kein elektrisches Licht je hervorzubringen vermag.

 

Dieses Licht ist so hell, dass Menschen der umliegenden Ortschaften darauf aufmerksam werden und sich wie durch Zauberhand zu diesem Ort hingezogen fühlen. Es ist eine innere Stimme die ihnen zuflüstert, sie mögen mit einer Kerze, einer Fackel, Wunderkerzen zu diesem Hügel gehen.

 

 

Während auf dem Hügel Lagerfeuer entzündet werden, Musiker beginnen Lieder anzustimmen, die aus allen Kehlen voller Ehrfurcht gesungen werden.

 

 

Die Frau steht mit dem ihr noch unsichtbaren Mann auf diesem Hügel. Sie hat Gänsehaut und eine tiefe Ergriffenheit macht sich in ihr breit. Sie fühlt etwas, was sie noch nie zuvor in dieser Intensität fühlte. Ihr wird bewusst, dass sie mitten in ihrem Traum steht… nur dass es kein Traum mehr ist, sondern erlebte Wirklichkeit. Plötzlich spürt sie eine Hand, die die ihre ergreift. Es rieselt ein Strom durch sie hindurch. Langsam wendet sie ihr Gesicht zur Seite und als sie ihn anschaut, kann sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten.

 

Es ereignet sich ein Wunder in dieser Heiligen Nacht – nicht nur für sie selbst.

 

 

Das Licht der Weihnacht ist in den Menschen wiedergeboren. Wie ein Lauffeuer entzündet es Herz für Herz.

 

 

Auf der Erde ist das Licht der Liebe neu geboren. Leise fragt sie Gott:

 

„Wieso ich? Wieso durfte gerade mein Traum sich erfüllen?“

 

 Und sie hört in ihrem Inneren die warme, gütige Stimme ihres himmlischen Vaters:

 

„Weil du den Glauben und das Vertrauen niemals aufgegeben hast. Weil Du selbst in dunkelster Nacht Dein Herz in meinen Händen gelassen hast und anderen Hoffnung schenktest. Und weil dieser Traum tief im Inneren eines jeden Menschen ruhte. Das Himmelreich ist in das Innere der Menschen zurückgekehrt nach über 2000 Jahren. Sei glücklich mein Kind.“

 

 

Als seine Worte verklungen sind, beginnen die Menschen „Stille Nacht, Heilige Nacht“ zu singen und sie und ihr Begleiter stimmen mit ein. Ringsum umarmen sich die Menschen, reichen sich die Hände.

 

„Ehre sei Gott in der Höhe“

 

sagt sie zu ihrem Weggefährten als sie Hand in Hand den Hügel hinablaufen - ihrer gemeinsamen Zukunft entgegen.

 

So oder ähnlich kann es sich zutragen… Ein jeder kann zum Lichtträger werden.

 

 

Glaube und vertraue – der Zauber der Weihnacht hat in jedem Jahr neu alles Potenzial um durch das Licht der Liebe Wunder wahr werden zu lassen und Träume zu gelebter Realität.

 

(c) Ines Evalonja

 

Albert Einstein meldet sich im Traum

Es ist 6 Uhr morgens. 

 

Im Erwachen realisiert Jacob, dass es da an seiner Tür klingelt. Er reibt sich die Augen, fährt sich mit den Händen durch die Haare und bewegt sich noch schlaftrunken aus dem Bett zur Tür. Als er öffnet, schaut er in das aufgeregte Gesicht seines Freundes Lukas. Der stürmt an ihm vorbei in die Wohnung und setzt sich an den Küchentisch. Doch dann steht er wieder auf und läuft Jacob entgegen, der gerade von der Eingangstür auf dem Weg zu ihm ist. Lukas umfasst seine Schultern und sagt:

 

„Jacob! Du ahnst nicht, was passiert ist.“

 

Jacob schüttelt den Kopf und fragt: „Soll ich dir auch einen Kaffee machen?“ 

 

Lukas nickt und setzt sich wieder. Man sieht ihm an, wie es in seinem Inneren brodelt und er darauf brennt, seine Neuigkeiten loszuwerden.

 

Als Jacob den dampfenden Kaffee auf den Tisch stellt und sich setzt fragt Lucas: „Darf ich jetzt erzählen?“

 

„Nun mach schon.“ fordert er seinen aufgeregten Freund auf und nimmt den ersten Schluck aus seiner Lieblingskaffeetasse mit dem Bildnis von Albert Einstein. 

 

Lukas und Jacob sind Philosophiestudenten. Sie kennen sich schon seit Kindertagen und gelten seit jeher schon als Sonderlinge. Sie kochen sich gern ihr eigenes Süppchen, seit sie bemerkten, dass niemand ihnen so wirklich folgen kann in ihren Gedanken-gängen und Gefühlen. Doch die beiden sprechen über all ihre ungewöhnlichen Erfahrungen, Träume, Erkenntnisse. So auch an diesem Morgen.

 

Lukas beginnt zu berichten: „Ich hatte einen Traum. Mir ist Albert Einstein erschienen.“

 

Er macht eine Pause, da er weiß, wie sehr Jacob sich diesem Wissenschaftler zugeneigt fühlt. Jacobs Augen werden um einiges größer und Lukas fährt fort.

 

„Er erschien mir im Traum lebendig und so echt! Er war nachdenklich und auch irgendwie aufgeregt. Ihm liegt es immer noch schwer im Herzen, was durch seine Entdeckung an Zerstörung auf der Erde möglichgeworden war.“

 

Er machte eine kurze Pause, damit Jacob Luft schnappen konnte. Jacob schmunzelt und fährt fort. Albert Einstein schien aus der Zukunft zu ihm gesprochen zu haben, denn er hatte einen Block mit Notizen in der Hand und sagte: „Ich habe weitergeforscht und bin auf die Lösung gestoßen, wie die Menschheit zu retten ist.“

 

Jacob macht wortlos den Mund immer wieder auf und zu… „Wieso hat nicht ER diesen Traum gehabt. Er ist doch sein gefühlt größter Fan!“

 

Lukas errät den Gedanken des Freundes, er kennt ihn einfach zu gut und sagt: „Ach Jacob, sei nicht kindisch! Ich bin doch deshalb gleich zu dir gekommen, dass du es noch brandheiß erfährst. Ist doch gleich, ob du oder ich. Wir sind doch eh wie eine Person in zwei Körpern.“

 

Jacob nickt zustimmend und erwidert: „Ja, das stimmt! Nun mach schon, erzähl weiter! Biiiiiiiitte!“

 

Lukas nimmt einen Schluck Kaffee und berichtet weiter: „Albert Einstein machte es sich auf einer Decke unter einem Baum gemütlich. Er legte sich auf den Bauch und schaut mich an, als er weitersprach: „Durch die Teilung des Atoms wurde – wie ihr wisst – eine enorme Kraft freigesetzt, die zu enormer Zerstörung und Verseuchung der wundervollen Erde benutzt wurde und möglicherweise noch werden kann. Doch dies kann unterbunden werden! Alles ist umkehrbar!“

 

Ich konnte ihm seine Aufregung ansehen und auch, wie wichtig es ihm scheint, dass seine Forschungen zum Guten, Aufbauenden genutzt werden.

 

„Es gibt auf der Erde zwei Kräfte: Eine Zerstörerische und eine Aufbauende. Die Aufbauende ist die Liebe, die in jedem Moment alles zum Höchsten hinführen kann. Sie ist die machtvollste Kraft, aus der immer wieder neu das Leben entsteht. Es ist niemals auszulöschen. Diese zerstörerische Kraft hat keine Macht über die Liebe. Einzig das Bewusstsein der Menschen muss sich öffnen für die Liebe und ihr den Raum öffnen für die unendlichen Möglichkeiten. Gegen dieses Licht hat die Zerstörung keine Macht – sie verliert! Die Liebe bedeutet die Umkehrung der Zerstörung!“

 

Beiden Jungs rieselt es bei diesen Worten durch den ganzen Körper. Sie schauen sich verdutzt an.

 

 „Boah“  sagt Jacob hinein in die entstandene Stille.

 

„Was hat er noch gesagt?“ 

 

Lukas entgegnet: „Als Albert Einstein das sagte, stiegen hinter ihm tausende bunte Schmetterlinge in die Luft und aus dem Baum erklangen wunderschöne Melodien. Dann war das Bild plötzlich weg und ich wachte auf.“

 

Lukas und Jacob schauen sich an – begeistert und ratlos zugleich. Beide denken: „Und was machen wir nun?“ und nehmen den letzten Schluck Kaffee aus ihren Tassen. 

 

Während Jacob ins Bad geht, um zu duschen und sich anzuziehen, schaut Lukas das Bild auf Jacobs Tasse an und schweigt. Dann schließt er die Augen und betet: „Bitte Gott, führe uns an deiner Hand, dass wir die Lösung mit deiner Hilfe finden, dass die Liebe die zerstörerische Kraft für immer von der Erde bannt.“

 

In ihm ist ein Bild von einem Riesenstaubsauger, der alle Dunkelheit in sich aufsaugt und schmunzelt vor sich hin.

 

Frisch gestylt und bekleidet mit seiner Lieblingsjeans und einem weißen T-Shirt mit der Aufschrift „Alles ist möglich, was ich für möglich halte“ kommt Jacob aus dem Bad. Er schlüpft in seine Turnschuhe, schlingt sich einen Schal um den Hals und nimmt beim Hinausgehen noch seinen blauen Anorak vom Haken. Lukas folgt ihm und zieht auf dem Weg zur Tür seine Mütze auf den Kopf und die warme grüne Daunenjacke an.

 

 

 

Nachdem Jacob die Wohnungstür abgeschlossen hat, laufen die beiden zum nahe gelegenen Flussufer. Dort laufen sie fast täglich, um im stillen Gehen offen zu sein für Gedanken, von denen sie oft nicht sicher sind, woher sie ihnen geschickt werden. Immer wieder verbinden sie sich bewusst mit den himmlischen Sphären, wenn es um wichtige Fragen oder Lösungen geht. Ihr Gefühl zeigt ihnen immer wieder den Weg zu all dem, was hilfreich und wahr ist.

 

Die Sonne schiebt sich langsam am Horizont hinauf und die Beiden bleiben einige Momente stehen, um sie direkt anzusehen und ihr Licht in sich aufzunehmen. Sie wirken der Welt entrückt, voller Frieden. Einige Vögel in den Bäumen beginnen ihren Gesang zur Begrüßung des Morgens.  Still und ganz bei sich, setzen sie ihren Weg am Flussufer fort. Einige Möwen ziehen ihre Bahn am Himmel, Schwäne haben noch ihren Kopf unterm Flügel und schlafen. 

 

An einem kleinen Steg machen die beiden jungen Männer Halt und steigen in ein blaues Ruderboot. Gemächlich legen sie vom Steg ab und Jacob rudert das Boot in die Flussmitte. Solche Ausflüge mit dem Boot unternehmen sie gern, denn hier lauscht niemand ihren Gedanken und sie haben das Gefühl ganz Eins zu sein mit dem Lebensfluss.  Die Sonne schickt ihre inzwischen warmen Strahlen zur Erde.

 

Das Boot treibt ruhig vor sich hin. Jacob und Lukas haben die Augen geschlossen und genießen die Stille, die in ihnen und um sie herum fühlbar ist. Plötzlich hören sie Flügelschlagen und sehen, wie sich ein Vogel auf dem Bootsrand niedersetzt.

 

Als sie die Augen öffnen, sehen sie eine große weiße Eule, die sie treu anschaut. Vorsichtig streckt Jakob die Hand nach ihr aus und streicht ihr über das weiche Gefieder. Sie drehte den Kopf ein wenig und erhob sich langsam wieder in die Lüfte. Dort, wo sie gesessen hatte, lag ein mit Goldfaden umwickeltes, zusammengefaltetes Papier. 

 

Jakob und Lucas trauten ihren Augen nicht. Jakob war der erste, der die Fassung wiedergewann. Er flüstert: „Was geschieht denn hier? Sind wir in einem Traum?“

 

Lucas erwidert: „Schau doch mal nach, was auf dem Zettel steht!“

 

Jakob greift nach dem gefalteten Papier, löst das Goldband und öffnet das Schreiben. Sein Gesicht scheint wie erstarrt – nicht ängstlich, sondern voller Staunen. Lucas rüttelt an Jakobs Arm: „Hallo Erde an Jakob! Was ist denn?“

 

Jakob beginnt laut zu lachen und sagt: „Lucas, ich glaube es nicht!“

 

Er reicht dem Freund das Pergamentpapier. Darauf ist ein Bildnis von Albert Einstein und darunter steht: „Liebe ist die Lösung!“ 

 

Lucas lässt das Pergamentpapier langsam sinken und schüttelt den Kopf. Ihm ist irgendwie mulmig im Magen. Er schaut sich um, so als wären sie nicht allein. Doch es ist niemand zu sehen. Auch die Eule ist spurlos verschwunden. Beide haben plötzlich Gänsehaut und in ihnen beginnt ein Strömen, wie sie es noch nie zuvor bewusst wahrgenommen hatten. Sie sind von einer Freude erfüllt, die sie nicht einordnen und beschreiben können. 

 

Da erscheint beiden ein Bild vor ihrem inneren Auge: Ein helles Licht in dem alle Regenbogenfarben wie Sterne aufleuchten umrundet den Erdball wie eine Welle, die beide jungen Männer zu erfassen scheint. Stumm sitzen sie da und ihnen rinnen Tränen aus den Augen. Sie haben die Lösung in ihrem Herzen empfangen aus der unsichtbaren Welt. Auf eine unerklärliche Art und Weise fühlen sie sich eingebunden in die Ewigkeit und Unendlichkeit des Seins.

 

Doch niemand wird diese Worte sichtbar empfangen, die Lösung für die neue Welt verbreitet sich unsichtbar. Denn Gott hat den Menschen versprochen, dass seine Kraft über alle Dunkelheit siegt. Beide wissen: Es wird kein Ende der Menschheit geben. Das Ende dieser Welt ist nur ein Übergang in eine neue Welt, in die immer mehr erwachen Menschen werden. Sie erfüllen ihren Auftrag. 

 

In der den Augen unsichtbaren Welt sitzt Albert Einstein mit unzähligen Seelen an einem Tisch aus einem Material, das wie Gold glänzt. Ihre Augen strahlen voller Liebe für den Planeten, der ihnen selbst Heimat war.

 

Ihre Weisheit ist in den unendlichen Lebensteppich eingewoben und es geschieht, was geschehen soll – ganz nach Gottes Plan.

 

Die Liebe ist die Lösung wispert es überall auf der Erde. In jedem Herzen erwacht die auf ewig gültige Wahrheit. Aufzuhalten ist es nicht, dass die Wahrheit sich Bahn bricht für die Goldene Zeit. Mach Dich bereit, jetzt ist die Zeit für die Wahrheit auch in deinem Erleben.

 

Die Liebe ist die Lösung zur Erlösung aus allem Leid. Bald erstrahlt alles in einem neuen Kleid – in einer Schönheit, die das Innerste berührt und alles zu einem guten Ende und einem besseren Anfang führt.

 

(c) Ines Evalonja

 

Lioranda

 

Lioranda ist auf dem Weg zu ihrem Großvater, der in der Nähe eines Bergdorfes oberhalb des Meeres lebt. Sein Haus ist der Leuchtturm. Schon sein Vater hatte hier sein zu Hause. Kein anderes Leben mochte sich der alte Wanja vorstellen. Hier ist seine Heimat. Er kennt alles ringsumher. Das Meer ist sein bester Freund in allen Lebenslagen. Gern kommen die Menschen des Dorfes und auch Touristen auf einen Kaffee oder Tee vorbei, da er die gewonnene Weisheit gern mit ihnen teilt und die Meeresluft hier oben verbunden mit seiner liebevollen Art - heilsam ist. So manche Stunde hat er auch schon lachend zugebracht mit seinen Gästen, wenn sie sich gegenseitig aus dem Leben erzählten, was ihnen für Missgeschicke geschehen sind. Nie gab es hier ein böses Wort, Streit oder dergleichen. Es war und ist eine Oase des Friedens – auch wenn ein Sturm aufzieht oder das Meer zu toben scheint. Wanja ist die Ruhe selbst und so für die Menschen wie ein Schutzmantel, in den sie sich eingehüllt fühlen, wenn sie zu ihm kommen.

 

Lioranda beschäftigt sich viel mit der Natur und den Tieren. Je mehr sie heranwächst, umso enger wird ihre Verbundenheit und umso intensiver auch die Kommunikation mit dem Leben um sie herum. Ihr bleibt nicht verborgen, wie der Lebenswandel der Menschen in das Gleichgewicht der Tiere und Pflanzen eingreift. Erst vor einigen Wochen war ein Waljunges in die Bucht gekommen. Lioranda spürte, dass es um Hilfe bat, wegen immer mehr verschmutztem Wasser, künstlich erzeugten elektromagnetischen Wellen, die die Tiere durcheinanderbringen, den Forschungen der Menschen und vielem mehr. Viele kamen, um es zu fotografieren und auch in den Medien wurde darüber berichtet. Wissenschaftler stellten fest, dass sich das Waljunge vollkommen unnatürlich verhielt, doch niemand kam auf den Gedanken, es zu retten und wieder ins offene Meer zu bringen. Auch als seine Mutter hinzukam und sich ebenso verhielt, leitete niemand helfende Schritte ein. Niemand schenkte Lioranda Gehör. So kam, was kommen musste: Beide Tiere strandeten, ihre Seelen verließen den Körper unverrichteter Dinge. Bei ihrem Großvater fand Lioranda in solchen Momenten offene Arme und Trost. Täglich fand sie Spuren der Leichtsinnigkeit und Vergnügungssucht der Menschen, die den Lebensraum für alle immer mehr schädigen, doch Gespräche, die an die Vernunft der Menschen appellieren, haben keinerlei Wirkung. Ihr Opa sagt in solchen Fällen immer: „Nur die Liebe leitet den Menschen zur Wahrheit.“ Er nimmt sie in den Arm und schaut mit ihr hinaus aufs Meer, dass dann mit dem Rauschen der Wellen seine beruhigende Wirkung zeigt. Scheint in solchen Momenten die Sonne, sind Tränen erst recht schnell getrocknet und ein heißer Kakao tut sein Übriges. Meist läuft das Mädchen dann barfuss den Klippenweg hinab zum Strand und durch das seichte Wasser. Manchmal begleitet sie ein wilder Hund auf ihren Spaziergängen.

 

Eines Tages findet Lioranda auf einem solchen Gang am Strand ein wunderliches Ding. Es hat die Form eines Sternes und leuchtet rosa. Als sie es in die Hand nimmt, durchflutet sie etwas, was sie so noch nie gefühlt hat. Erschrocken lässt sie den Stern fallen. Als sie ihren Blick hebt, sieht sie ihre Umgebung vollkommen anders. Noch nie war es ihr hier so lieblich und schön vorgekommen. Da sieht sie einen Delfin… Er ruft sie, Lioranda läuft ihm entgegen und beginnt dann zu schwimmen. Der Delfin schwimmt in immer kleiner werdenden Kreisen um sie herum, bis er in Reichweite von ihr ist und sie ihn berühren kann. Sie greift nach seiner Flosse und sie beginnen miteinander zu spielen. Nach einiger Zeit trägt der Delfin sie wieder an den Strand. Lioranda kann sich nicht erinnern, wann sie sich jemals in ihrem Leben so glücklich gefühlt hat. Als der Delfin sich verabschiedet, macht er für sie noch einige wie Kunst anmutende Bewegungen und singt in der den Delfinen eigenen Weise. Als si zurückkehrt, sieht sie wieder den leuchtenden Stern. Sie nimmt ihn wieder in die Hand und während sie von diesem wundervollen Gefühl durchströmt wird, empfängt sie plötzlich Bilder… Bilder von einer Welt, die sie noch nie gesehen hat…

 

Auch dort hat es Berge, Wasser, Seen, Tiere, Vegetation und Blumen. Jedoch ist alles von einer so tief berührenden Lieblichkeit, dass ihr Tränen aus den Augen kullern. Plötzlich sieht sie ein Wesen, dass zu sprechen beginnt. Es erklärt ihr, dass es auf der Erde zu einem tiefgreifenden Wandel kommen wird… Plötzlich war das Bild weg! Lioranda blickt in die Weite des Himmels – so als würde dort jeden Moment ein Raumschiff auftauchen. Doch da war nichts! Sie sah nur Sonne und Möwen, die ruhig ihre Bahnen zogen und hin und wieder ins Meer tauchten, um einen Fisch zu fangen.

Plötzlich kommt ihr zeitweiliger Begleiter, ein Wildhund, aufgeregt bellend auf sie zugelaufen. Er schiebt seine Schnauze in ihre Hand zur Begrüßung und läuft dann wieder aufgeregt bellend davon - und wieder zu ihr hin - als Zeichen, dass sie ihm folgen möge.

 

So steckt Lioranda den leuchtenden Stern in ihre Hosentasche und läuft dem Hund hinterher. In den etwas entfernt liegenden Dünen bleibt er plötzlich bellend stehen und Lioranda entdeckt bei ihm eine größere Form des rosa leuchtenden Sterns, den sie in ihrer Hosentasche hat. Er ist in etwa so groß wie ein PKW und sie sieht, wie sich eine Luke öffnet und ein kleines Wesen darin erscheint. Sie empfängt seine Worte telepathisch! Lioranda hat Herzklopfen und ist etwas verwirrt Das Wesen wirkt zart und zerbrechlich und dennoch klingt seine Stimme stark und mächtig:

 „Hast du einen kleinen Stern gefunden?“ Lioranda nickt verstört.

„Es ist mein Steuergerät. Ich brauche es, um meine Heimreise antreten zu können. Es ist mir leider aus dem Fahrgerät gefallen. Gibst du es mir wieder zurück? Bitte!“

Lioranda schiebt ihre Hand in die Hosentasche und holt den kleinen Stern heraus. Zögernd legt sie es in die Luke. Dabei stammelt sie, mit den Tränen kämpfend: „Ich war so froh, ihn gefunden zu haben. Seit ich ihn in die Hand nahm, fühlte ich mich glücklich wie nie. Nun ist das wunderbare Gefühl weg.“

Das Wesen scheint zu überlegen, seine großen Augen sind zum Himmel gerichtet und drehen sich…

 

Da muss das Mädchen wieder lachen, weil das so lustig ausschaut. Und lächelnd vernimmt  es seine Botschaft: Er wird ihr ein solches Sternchen zusenden, wenn er wieder auf seinem Planeten gelandet ist – als „Dankeschön“, dass sie ihn gerettet hat. Er erzählt ihr, dass er ein Johune sei und sie zur Begrüßung und Verabschiedung „Hickura“ sagen. Er gibt Lioranda wieder den Stern in die Hand, damit sie nochmals durchströmt wird von diesem Glücksgefühl. Dann schließt sich die Luke und das Fahrgefährt-  in Form eines Sterns -  ist verschwunden, so als hätte es nie existiert!

Lioranda wacht auf, als sie den Kopf des Wildhundes auf ihrem Bauch fühlt. Etwas benommen öffnet sie die Augen und schaut in den strahlend blauen Himmel. Langsam erhebt sie sich und flicht ihre Haare zu einem Zopf. Dann schlendert sie zum alten Leuchtturm zurück, während sie immer mal wieder stehen bleibt und dem Hund gedankenverloren durch sein Zottelfell fährt. Als sie bei ihrem Großvater angekommen ist, schaut dieser sie erstaunt an.

 

„Was ist denn mit dir geschehen?“ fragt er sie schmunzelnd.     

Lioranda sieht ihn mit hochgezogener Augenbraue und Schulter zuckend an. „Was meinst du Großvater?“

„Du siehst so verändert aus. Du scheinst zu leuchten und dein Gesicht strahlt so… so… Ich weiß nicht, wie. So als seist du verliebt.“

Lioranda schaut ihren Großvater ungläubig an. Dann dreht sie sich zum Fenster, um ihr Spiegelbild in der Scheibe zu betrachten. Da bekommt sie eine wohlige Gänsehaut, denn der Großvater hatte ausgesprochen, was sie nun selber sah – aber was war das?

„Ich weiß nicht Großvater.“ Sagt sie ehrlichen Herzens, denn jegliche Erinnerung an die Begegnung am Strand ist ausgelöscht.

 

Nach einem wortlosen Abendessen und ebenso wortlosem nebeneinander sitzen vor dem Leuchtturm, um in die Sterne zu sehen, schläft das Mädchen bis zum nächsten Morgen friedvoll – ohne jeden Traum.

Sie erwacht in einen wieder strahlend schönen Tag und wird von den Möwen zum Strand gerufen. Nach ausgiebigem Frühstück mit ihrem fröhlichen Großvater, macht sie sich - mit einem kleinen Imbiss, ihrer Staffelei, Leinwand und Farben -  auf zum Strand. Ihr Freund, der Wildhund, erwartet sie schon bellend. Als sie ihn erreicht, sieht sie zu seinen Füssen wieder so einen kleinen, rosa leuchtenden Stern. Plötzlich erinnert sie sich an alles und schaut hinauf zum Himmel. Da sieht sie für einen kurzen Moment einen rosa Stern am blauen Himmel leuchten und wird durchströmt von solcher Seligkeit, dass sie sich hinsetzen muss, und den Hund - schluchzend vor Glück - in ihre Arme schließt.

 

Als sie zu malen beginnt, leuchten ihre Augen. Auf dem fertigen Bild ist dann ein Delfin zu sehen im rosa leuchtenden Ozean. Über ihm sieht man das Fahrgefährt in Form eines Sterns, aus dem das zarte Wesen winkt. In ihrem Herzen spürt sie, dass die Erde gerettet ist - und mit ihr alles Leben! Da sieht sie den Delfin – er kommt vom offenen Meer in die Bucht. Voller Freude rennt sie ins Wasser und schwimmt zu ihm. Wieder spielen sie voller Freude miteinander und Lioranda vergisst vollkommen die Zeit. Es scheinen Stunden vergangen zu sein, doch als sie zu ihrem Großvater zurückkehrt, ist es gerade erst Mittag. Erfreut und bewundernd, betrachtet er das gemalte Bild und schmunzelt über die Fantasie seiner Enkelin. Lioranda bewahrt das Geheimnis und verrät niemandem, dass es das Volk der Johunen im Weltraum wirklich gibt. Auch den leuchtenden rosa Stern hält sie verborgen. Doch ihre innere Wandlung kann jeder sehen. Nie hat man das Mädchen so froh und glücklich gesehen. Lioranda hatte fortan immer Lösungen parat, über die die Dorfbewohner nur staunen konnten. Selbst ihr Großvater schüttelte über die Weisheit seiner Enkelin immer wieder verwundert den Kopf. Nahm er sie in den Arm, fühlte er etwas ganz Neues, Lebendiges in sich: Eine stille Freude, die gleichzeitig voller Energie war. Irgendwie kam ihm alles noch schöner vor und nichts schien unmöglich…

 

Die meiste Zeit verbrachte Lioranda nun am Strand. Sehr oft saß oder lag sie einfach nur da oder lief am Strand spazieren. In ihr erblühte eine ganz neue Welt. Die Bilder, die entstanden, waren von einer solchen Schönheit, dass die Menschen - mit Tränen in den Augen -davorstanden. Es dauerte nicht lang, dass die Bilder die Häuser der Bergdorfbewohner und auch öffentliche Einrichtungen zierten. Alle Bewohner waren verbunden durch ein - auch sichtbares - Licht. Sie fühlten sich gesund, voller Energie und glücklich. Besucher wurden angesteckt und nahmen - mit einem von Liorandas Bildern - diese Wunder wirkende Energie mit sich.

Dieselbe Wirkung hatten die Bilder auch, wenn sie im Internet betrachtet wurden. Keiner konnte sich erklären, was geschah. In dem Moment, wenn eines der Bilder in Augenschein genommen wurde, hörten auch Gedanken auf… Der Wandel war vollzogen und die Menschen folgten ganz anderen, wohltuenden Handlungen. Selbst vorher als „böse“ und „gemein“ eingestufte Menschen veränderten sich von einem Moment auf den anderen. Lioranda erfuhr davon von ihren Freunden, die sich um die Verbreitung der Bilder kümmerten. Sie wurden nicht verkauft, sondern ohne Gegenleistung – liebevoll weitergegeben.

 

Eines Abends sitzt sie mit ihrem Großvater am Lagerfeuer. Er spielt auf seiner Mandoline und Lioranda schaut zum gigantischen Sternenhimmel hinauf. Da bleibt ihr plötzlich der Mund offenstehen: Über ihnen erscheint ein riesiges, sternenförmiges Gefährt und schickt regenbogenfarbene Strahlen zur Erde. Wanja hört mit dem spielen der Mandoline auf und schaut ebenfalls zum Himmel. Seine Augen füllen sich mit Tränen, so wunderschön ist der Anblick. Die beiden nehmen sich an den Händen und können ihren Blick nicht abwenden. Es öffnet sich eine kreisrunde Luke am Boden und ein gleißender Lichtkegel ergießt sich zu ihnen. Vor ihnen steht eine wunderschöne Frau mit wallendem Haar und einem zarten, golddurchwirkten Kleid. Sie hören ihre melodische Stimme:

„Dank Euch konnte die Heilung der Schwester unseres Planeten gelingen. Die Menschheit ist erwacht und nun wieder mit dem schönen Geist des Universums verbunden. Alle Quellen der Erde sind wieder gereinigt, Flüsse und Meere von Unrat befreit und nach und nach wird sich nun auch die Vegetation und Tierwelt erholen. Ihr werdet staunen, in welcher Harmonie Mensch, Tier und Pflanzenwelt jetzt leben. Dürfen wir Euch einladen zu einem Rundflug, um die Erde von größerer Distanz aus zu betrachten -  Ihr werdet berührt sein!“

 

Lioranda holt ihren Fotoapparat und geht Hand in Hand mit ihrem Großvater in den Lichtkegel. Sie werden mit einer sanften Kraft ins Innere des großen Sterns gezogen und schon sind sie unterwegs ins Weltall. Sie sitzen mit der wunderschönen Frau und ihrem Gefährten in weißen Sesseln und sehen ringsum alles, was sie umgibt. Lioranda und ihr Großvater wagen keinen Ton zu sagen. Ihnen ist, als würden sie dann den Zauber, der sich ihnen bietet, zerstören. Nie zuvor haben sie eine solche Schönheit wahrgenommen… In ihnen hat sich etwas geöffnet, was sie die Melodie des Universums hören - und Farben sehen lässt, die sie zuvor nicht wahrnehmen konnten. Und da sehen sie ihren Heimatplaneten: Das Juwel Erde! Sie ist von einem rosa fluoreszierendem Licht umgeben, einem neuen Schutzmantel reinster Liebe! Als sie näherkommen, sehen sie all die Pracht und Schönheit der wie neu geborenen Schöpfung. Sie können die Tränen nicht zurückhalten. Lioranda, Wanja und das Königspaar der Johunen umarmen sich und rufen „Hickura“

 

 

Als sie zurückkehren zum Leuchtturm sind alle Bewohner des  benachbarten Bergdorfes am Lagerfeuer versammelt. Sie wurden angelockt vom Schein des Fahrgefährts, welches sich – nachdem es Großvater und Enkeltochter abgesetzt hatte – in Lichtgeschwindigkeit wieder entfernt hatte. Es gab viel zu erzählen von all der Herrlichkeit, die die beiden erblickt hatten. Gemeinsam sangen sie Lieder zum Mandolinenspiel des Großvaters und tanzten noch voller Freude bis in den neuen Tag hinein… 

 

(c) Ines Evalonja

Die Zauberblume

In einer lauen Sommernacht legt sich Eva an einem paradiesischen Strand unter dem funkelnden Sternenzelt in den warmen Sand. Leise rollen die Wellen zum Ufer und in der Ferne spielen Delfine im Meer. Eine tiefe Ruhe und Geborgenheit erfüllt ihr Inneres. Mit offenen Augen schaut sie in die unendlichen Weiten des Alls und verliert sich in diesem Gefühl, welches keinen Anfang und kein Ende hat - wie ein Ozean der die Dimension des Denkens übersteigt. Da kommt am Strand ein Nebel aus funkelndem Licht auf sie zu. Als dieser vor ihr Halt macht, sieht sie eine Erscheinung von solch reiner Schönheit, dass ihr Tränen aus den Augen fließen, die sie nicht stoppen kann. Ihr Körper scheint sich aufzulösen und Eins mit dieser Erscheinung zu werden.

 

Als sie wieder zu sich kommt, liegt sie in einem Himmelbett inmitten eines holzgetäfelten Raumes. Das Zimmer ist voller Blumen, die einen zarten Duft verbreiten. Durch das offene Fenster sieht sie das herrliche Grün des Waldes und ein Bergmassiv. Vogelstimmen und das Gurgeln eines Baches sind zu hören. Es fühlt sich an, als hätte die Liebe eine wunderschöne Blume erblühen lassen, der ein betörender Duft, eine herzberührende Melodie und fühlbare Farben entströmen. Es ist nicht in Worte zu fassen. Als sie sich streckt und aufsetzt im Bett sieht sie auf der spitzenumrandeten blütenweißen Bettdecke einen großen Umschlag, der mit einem Siegel verschlossen ist. Sie nimmt das Kuvert aus seidenem Papier in die Hände und streicht, das zarte Gewebe fühlend, mehrmals darüber, bevor sie das Siegel bricht. Sie entnimmt mehrere Seiten und eine Kette, an der eine Blume mit farbigen, herzförmigen Blütenblättern befestigt ist. Sie faltet das Seidenpapier vorsichtig auseinander und liest:

 

„Lange wurde im Himmel beratschlagt, wie dein Wunsch – den Menschen helfend zur Seite zu stehen – in die Erfüllung kommen kann. Du bist in Deinem Traum Deiner eigenen Seele begegnet. Sie hat in Dein Inneres eine Blume mitgenommen, die der an der Kette gleicht. Jedes Blütenblatt hat eine bestimmte Bedeutung. Wenn Du ab jetzt einem Menschen begegnen wirst, siehst Du, was ihm helfen kann. Du wirst dann das entsprechende Blütenblatt berühren und aus Deinem Inneren strömt diese Qualität zu dem Menschen. Er kann diese aufnehmen und das Defizit dadurch ausgleichen. Die Liebe vermag von einem Augenblick auf den anderen Barrieren zu durchbrechen. Nur ein einziger Augenblick im Zustand des Nichtseins – einem Zustand der Leere, den er selbst nicht herbeiführen kann – kann ihn Erwachen lassen in den Goldenen Tag der ewig währt.

 

Die Bedeutung der Farben sind folgende:

 

Rosa – Liebe

Blumen dieser Farbe wirst Du wohl am häufigsten als Präsent weitergeben, da sie es ist, die wieder in den Menschen fließen und sie beleben darf. Sie weckt den Traum des Erwachens in einem Paradies immer wieder aufs Neue. So wird derjenige sich eines Tages auf den Weg begeben und Kraft des der Liebe innewohnenden Geistes geführt.

 

Weiß – Reinheit und Unschuld

Wann immer Dir jemand begegnet, der von Schuld und Schulden geplagt oder wegen ihnen verfolgt ist, wird er durch eine weiße Blume davon erlöst sein. Sie hören auf zu existieren, als hätte es sie nie gegeben.

 

Braun – Fruchtbarkeit

Wann immer Du den Wunsch nach einem Kind bei einer Frau fühlst und dieser Wunsch mit dem göttlichen Plan im Einklang steht, gib eine braune Blume weiter. Diese Kinder sind eins mit der göttlichen Liebe und bringen Heilsein auf allen Ebenen in diese Familie.

 

Rot – Stärke

Begegnet Dir Jemand, der sich schwach fühlt, schenke ihm eine rote Blume und er wird von Stärke und Mut erfüllt sein.

 

Hellgrün – Hoffnung

Kommt Jemand in Dein Leben, der die Hoffnung verloren hat oder anderen Hoffnung schenkt, gib ein Glückskleeblatt an ihn weiter. Die Hoffnung darf niemals verloren gehen. Manchmal stehen sie schon direkt vor dem Eingangstor und sehen es nicht. Dann braucht es dieses Licht der Hoffnung, damit sie die Zeichen des Himmels wahrnehmen und das Ziel erreichen.

 

Gelb – Freude und Glück

Siehst Du Leute, denen Freude und Glück sichtbar abhandenkamen – Du siehst es in ihren Augen. – dann gib eine gelbe Blume von Hand zu Hand. Auch schwarz gekleidete Menschen sind meist vom Licht abgeschnitten und können von den Lichtwesen dann nur noch schwer gefunden werden. Die Freude ist wie ein Zaubertrank. Durch sie werden Wege sichtbar, die vorher nicht dagewesen waren und der Mensch kann diese dann beschreiten, die Lebensfreude kehrt zurück und das Bewusstsein des ewig währenden Lebens. Sie werden fühlen, dass nie etwas verloren gehen kann – es sei denn, sie geben es verloren und schließen dadurch die Tür des Bündnisses mit der Liebe.

 

Himmelblau – Gefühl

Oft sind die Menschen vom Fühlen ihres Seelenwesens vollkommen abgeschnitten und wissen es selbst nicht. Dann haben Liebe und Freude keine Resonanz, sie können sie nicht fühlen. Eine himmelblaue Blume wird die Erinnerung an den Himmel zurückbringen und den Kontakt wieder herstellen. Sodass sie den Himmel wieder in sich fühlen und all die Schönheit, die ringsum. Dann kann die Liebe wieder durch ihn hindurch fließen und den Freudefunken neu entfachen.

 

Orange – Energie und Selbstwert

Es kann geschehen, dass Personen oder Ereignisse Menschen so viel Energie rauben, dass sie auch ihren Selbstwert verlieren und nicht mehr an all das Schöne in sich glauben. Dann verlieren sie den Sinn und Wert des Lebens und sind in der Dunkelheit verloren. Dann wird ihnen eine orangefarbene Blume so viel Energie schenken, dass alles Vergangene erlöst ist und sie wieder sehen, welchen Reichtum sie in sich tragen.

 

Dunkelblau – Kommunikation und Selbstvertrauen

Immer wieder kann man beobachten, dass die, die etwas zu sagen haben, kaum Gehör finden. Andere dominieren andere Menschen Kraft ihrer manipulierenden Worte und sie beherrschenden dunklen Wesen. Menschen hören oft nur mit den Ohren und haben verlernt, das Herz dazu zu schalten. Das Vertrauen in sich selbst und andere geht verloren und damit auch fruchtbare Kommunikation – in welcher Form auch immer. Das Geschenk der dunkelblauen Blume wird in beiden Richtungen Wirkung zeigen und somit durch Kommunikation von Herz zu Herz alles im Licht der Wahrheit erscheinen lassen und somit zu Klarheit führen und Lösungen, die sowohl dem Einzelnen als auch dem Ganzen dienen. Dann bleiben keine Fragen mehr offen.

 

Lila – Ausgeglichenheit und Freiheit

Es kommt vor, dass Menschen sich wie eingesperrt und dadurch Unruhe fühlen, die sie in die unterschiedlichsten Richtungen treibt. Dann hilft ihnen die Lila farbene Blume, wieder ausgeglichen zu sein und die innere Harmonie zu fühlen. Dann finden sie in aller Ruhe die Tür zur Freiheit des Geistes und dadurch auch zur natürlichen Wahl des passenden Weges. Sie finden die helfende Hand, die sie führt aus den himmlischen Reichen.

 

Dunkelgrün - Heilung

Siehst Du Jemanden mit körperlichen Gebrechen oder siehst, dass der Mensch daran glaubt, dass ihm eine Krankheit auferlegt ist, dann gib aus Mutter Natur etwas in diesem Heilsamen Grün an ihn weiter. Er wird dann den Lebensstrom in sich spüren und fühlen, dass sich alles selbst regelt hin zur von Gott gegebenen natürlichen Gesundheit.

Gold – Sonne, Erwachen

 

Wenn Du einem Menschen begegnest, bei dem Du fühlst, dass er die Sonne in sich trägt und sie sich in seinen Augen spiegelt, dann gib ihm die Goldene Blume. Sie führt ihn sicher zur Paradiestür und lässt ihn Erwachen – ohne dass ihm das bewusst sein muss – in den ewig Goldenen Tag.

 

Du musst nicht selbst die Blumen verschenken – es sei denn, Du entscheidest Dich dafür. Es reicht, dass Du das entsprechende Blütenblatt oder die Goldene Mitte des Kettenanhängers berührst und dieser Mensch wird zu der passenden Blume geführt. Es ist der Blütenstaub, der den Ausgleich herbeiführt. Die Zauberblume in Dir ist mit jeder einzelnen Blume dieser Farben auf der Welt verbunden. Es entsteht eine Ebene fühlbarer Magie aus Farben und Düften. Dieses Kraftfeld wächst immer mehr, sodass irgendwann die Menschen unbewusst diese Qualitäten in der Stille austauschen und alles Schädigende wird eliminiert. Der Kraftstrom wird immerfort aus Deinem Inneren genährt. Auch die Blumen erhalten dadurch neue Kraft und Reinheit, der Duft und ihr Strahlen intensiviert sich und breitet sich wie ein schützender Teppich über der Erde aus.

Wir hoffen, dass Dein Wunsch sich auf eine Weise erfüllen darf durch die Zauberblume, dass er Dir immerfort Lebensfreude schenkt. Wir danken Dir für Deinen Liebesdienst auf Erden. Du wirst auf allen Wegen beschützt und gesegnet sein.“

 

Langsam lässt Eva den Brief sinken und in ihren Augen schimmern Freudentränen. Die Sonne schickt ihr wärmendes Licht vom Himmel und ein wohliger Schauer durchflutet ihren Körper. Sie fühlt, dass noch viele, viele Menschen den Schritt durch das Tor des Vergessens all der Dunklen Schatten in der Vergangenheit durchschreiten werden und teilhaben an der vorausgesagten Goldenen Zeit im Himmelreich der Liebe - geborgen als Gott ähnliches Wesen – in dem alles zum Besten für alle und alles besteht.

 

Als sie aufsteht und zum Fenster tritt, kommt ein Goldener Schmetterling angeschwebt und setzt sich auf ihrer Hand nieder. Während sie lächelnd den Blick über Berg, Wald und die herrlich blühende Wiese mit dem klaren Bergsee schweifen lässt, fühlt sie, dass alles gut und Jetzt die Zeit ist, in der sich alles der Prophezeiung gemäß wandelt. Von ihr fällt ab die Last der Zeit, die den Menschen zur Hast antreibt. Frieden erfüllt sie und eine ganz zarte Energie. Da sieht sie, wie eine Hand ganz sacht die Goldene Mitte der Zauberblume an ihrer Kette berührt. Als sie sich zur Seite dreht, schaut sie in das strahlende Angesicht des Menschen, der gerade in diesem Moment einen Ring an ihren Finger steckt.

 

Das Königreich der Himmel wurde in diesem Moment sichtbar auf Erden. Sie sind die ersten Bewohner der Goldenen Stadt, die für den Menschen unsichtbar bereits im Himmel thronte. Ein erwachtes Paar – zwei Menschen verbunden durch die Liebe Gottes durch ihre Goldenen Herzen. Sie öffnen das Tor zum Paradies für alle, die nachfolgen. Hier existiert die Liebe in ihrer reinsten Form und alles, was erblüht dient der Gesundheit und Freude aller von jedem Sonnenauf- bis zum Sonnenuntergang und weiter. Die Fanfaren hört man in vielen Welten und auf dem Schloss wird die Fahne mit der Krone und der Ähre gehisst – hier ehrt man all die Schätze der Natur und alles, was sie dem Menschen zur Freude schenkt. Der Regenbogen steht als ewiges Zeichen, als Brücke zwischen Himmel und Erde mit all seinen Farben, die man auch in Melodien und Düften wiederfindet.

 

In einer langen Umarmung fließt die Liebe zwischen ihren Körpern und zur Krönung der von Gott geführten Zusammenkunft geben sie sich den Kuss, der ihr gemeinsames Leben besiegelt. Die Goldene Stadt hat ihren König und seine Braut aufgenommen – Frieden wird sein für alle die sie bewohnen. Und bis es soweit ist, tut die Zauberblume ihren wertvollen Dienst, damit die Herzen der Menschen wieder in strahlendem Goldschimmer erstrahlen, weil ihre Seelen aus dem Dunkel der Materie aufsteigen ins Licht. Befreit und heil werden sie eins mit Gott.

 

(c) Ines Evalonja

 

 

Der Rosenstock

 

 

Die Geschichte eines Rosenstockes sorgte eines Tages für Aufruhr im kleinen Dorf „Glückliche Rosen“.

 

Dem Rosenbauern Fröhlich war sein ältester Rosenstock entwendet worden. Es gab nur diesen Einen seiner Art. Er hatte schon mehrere Generationen überlebt und blühte von Jahr zu Jahr immer üppiger.

 

Über Nacht war er nicht mehr da und niemand konnte sachdienliche Hinweise geben, wo der Rosenstock abgeblieben sein könnte. Es gab keine Fußspuren und auch keine Reifenspuren, die auf einen möglichen Täter hätten Hinweis geben können. Nur ein kreisrunder Abdruck von verbrannter Erde war ganz in der Nähe des Rosenstocks zu sehen. Niemand konnte sich einen Reim darauf machen, woher dieser Ring verbrannter Erde gekommen sein könnte.

 

Doch eines Tages traf ein Anruf beim Bauern Fröhlich ein. Ein Nachbarsjunge von der gegenüberliegenden Straßenseite hatte- ohne Erlaubnis – hin und wieder mit seiner Videokamera Filmaufnahmen gemacht. Die Videokamera startete durch einen Timer zu nächtlicher Stunde. Der Junge wollte schauen, ob sich Tiere ins Dorf verirren.

 

Als er sich das Filmmaterial anschaute, traute er seinen Augen nicht. Bauer Fröhlich, der seit dem Abhandenkommen seines Rosenstockes nicht mehr ganz so fröhlich war wie sonst, setzte sich mit dem Jungen in aller Ruhe hin, um die besagten Minuten am Fernseher zu begutachten. Auch der Rosenbauer rieb sich seine Augen und wollte es immer und immer wieder sehen…

 

Ein Ufo war gelandet. Sie werden denken: „Die spinnen doch! UFO`s gibt’s doch gar nicht…“

 

Das dachten auch die Einwohner des Dorfes „Glückliche Rosen“ bis zu diesem Tag. Doch alle konnten es mit eigenen Augen sehen! Aus diesem gelandeten UFO stiegen zwei außerirdisch anmutende – also einfach anders aussehende – Wesen aus. Sie waren nicht hässlich und auch nicht furchteinflößend. Sie waren nur einfach anders. Sie liefen Hand in Hand zu diesem Rosenstock und als sie da ankamen, kniete das eine Wesen vor dem anderen nieder. Was es sagte, konnte man bei den Filmaufnahmen nicht verstehen.

 

 

Aus menschlicher Sicht sah es so aus, als würde das eine um die Hand des anderen anhalten, denn das noch stehende Wesen kniete nun ebenfalls nieder und fiel dem schon Knienden um den Hals – ja auch die Außerirdischen hatten einen Hals. Sie murmelten Unverständliches und dann… KÜSSTEN sie sich. War das unvorstellbar schön? Wer hätte gedacht, dass es Außerirdische gibt und wer hätte gedacht, dass sie sich verhalten, wie die Menschen? Niemand – zumindest nicht im Dorf „Glückliche Rosen“. Dann zeigte einer der beiden auf den Rosenstrauch, der hinter ihnen stand. Sicherlich war ihnen der süße Duft nicht entgangen. Sie standen auf und stellten sich beide an den Rosenstock. Sie hoben ihre dreifingrigen Hände, aus denen ein Licht zu den Rosen strahlte. Und nun kam etwas, was so ganz aus einer anderen Welt war: Der Strauch bewegte sich wie von Zauberhand heraus aus dem Boden und schwebte zwischen ihren Händen. Die Blüten schienen sich in ihre Hände schmiegen zu wollen. Sie liefen – den Rosenstock so schweben lassend zwischen sich – zurück zum Raumschiff, stiegen ein und schwebten davon in einer Wolke lila floresszierenden Lichts.

 

Mit offenem Mund saßen immer all jene da, die dieses Video ansahen. War es zu fassen? War das zu glauben? Einerseits war Bauer Fröhlich traurig, dass der generationsträchtige Rosenstock nicht mehr da war, andererseits war er auch berührt im Herzen, dass er offensichtlich auf einen fernen Planeten gebracht wurde. In ihm war seither ein Licht – es war fühlbar und in seinen Augen konnte es jeder deutlich sehen.

 

Es vergingen so in etwa drei Wochen. Der Rosenbauer hatte gerade sein Haus verlassen, um die Post aus dem Briefkasten zu holen, als sein ungläubiger Blick auf seinen Rosenstrauch fiel. Immer wieder rieb er sich die Augen. Doch das Bild blieb, das sich ihm zeigte: Sein Rosenstock war an Ort und Stelle. Mit raschen Schritten lief er zu dem Jungen und erzählte, was er gesehen hatte. Dieser holte die Videokamera. Alle hatten dafür plädiert, dass er jede Nacht – nun erlaubterweise – das Gerät einstellen solle, nur für den Fall der Fälle - auch wenn alle dies für unwahrscheinlich hielten - dass die Außerirdischen nochmals zurückkehren würden. Sie setzten sich aufgeregt auf die Couch vor den Fernseher, nachdem der Junge die Kamera am Fernseher angeschlossen hatte. Mit schweißnassen Händen blickte Bauer Fröhlich wie gebannt auf die Bilder, die sich ihnen zeigten.

 

Wieder schwebte dieses UFO heran und landete in der Nähe der Stelle, an der der Rosenstock gestanden hatte. Sie stiegen aus – der Rosenstock schwebte zwischen ihren Händen.

 

Wie von Zauberhand glitt er in den Boden und stand da, als wäre er nie weggewesen. Nun sahen der Junge und der Bauer der Rosen mit hochroten Gesichtern wie einer der Außerirdischen zum Briefkasten lief und etwas hineinsteckte.

 

Wie vom Blitz getroffen rannten beide hinaus, um nachzusehen, was im Briefkasten zu sehen sein würde. Herr Fröhlich bekam kaum den Schlüssel ins Schloss. Als die Klappe endlich aufging, sahen sie ein großes Kuvert, das golden glitzerte. Erst traute sich niemand, es in die Hand zu nehmen. Doch dann traute sich der Junge doch… kaum hatte er es in der Hand, öffnete sich der Umschlag ganz von selbst. Heraus schwebte ein Bild… sehen konnte man darauf einen Berg und davor ein Abbild des hunderte Jahre überdauerten Rosenstocks der Familie Fröhlich. Vor ihnen tanzten in der Luft in allen Sprachen der Welt die Worte „Danke“ und „Liebe“ in allen Farben, die man sich nur vorstellen kann. Es war wie ein buntes Feuerwerk aus Worten und Farben.

 

 

 

Zu hören war eine nicht zu beschreibende, zu Herzen gehende Melodie, die alle Bewohner des Dorfes aus den Häusern lockte zu dem Anwesen des Rosenbauern. Alle waren sprachlos, fasziniert, berührt… was soll man noch für Worte finden für etwas, was sich nicht beschreiben lässt?

 

Es war nicht nur der Rosenstock zurückgekehrt, sondern mit ihm etwas, an das sich nur tief innen in den Menschen etwas zu erinnern begann. Sie begannen zu strahlen und zu lachen und waren ab diesem Tag einfach nur noch glücklich an diesem und an jedem darauf folgenden Tag. Das war es, weshalb in diesem kleinen Dorf eines Tages und auch an den Tagen danach plötzlich Aufruhr war, bis zu dem denkwürdigen Tag, als mit den uralten Rosen die Liebe zu den Menschen zurückkehrte –

 

Dank außerirdischen Wesen, an deren Existenz man zweifelte, obwohl es jeder für wahrscheinlich gehalten hatte, dass es irgendwo im Weltall auch noch Leben gibt.

 

Ist das nicht eine ganz großartige Geschichte? Niemand weiß, wo dieses Dorf „Glückliche Rosen“ liegt. Vielleicht ist es auch gut so, weil sonst alle dorthin wollten, um sich da niederzulassen… Doch so groß ist dieses Dorf ja nicht, um allen Aufenthalt gewähren zu können. Doch man munkelt, dass die Liebe sich auch durch alle anderen Arten von Rosen inzwischen zum Ausdruck zu bringen vermag. Denn diese Rosen vom Rosenbauern Fröhlich hatten an ihre Brüder und Schwestern abgegeben, was sie selbst geschenkt bekommen hatten. Schnell hatte sich die Kunde von dem außergewöhnlichen Ausflug ins Weltall unter ihnen herumgesprochen und natürlich wollte jede von ihnen den Menschen die Liebe ins Herz legen…

 

Also magst du möglicherweise etwas näher zu den Rosen in deiner Umgebung schauen, sie vielleicht berühren und ihren Duft tief einatmen… wer weiß, was dabei geschieht. Der magische Zauber der Liebe wirkt – da bin ich mir sowas von sicher – überall wo es Rosen gibt. Der Schlüssel zu unserem Herzen liegt in unserer Hand, um es für eine Rose zu öffnen… der Schlüssel heißt Zeit und Achtsamkeit.

 

 

(c) Ines Evalonja

Wer war das? Oder wie aus „Schuld“ reinster Segen werden kann

 

 

Eine Elfe flog eines Tages durch einen herrlichen Frühlingstag über eine bunte Blumenwiese. Plötzlich hörte sie ein lautes Schluchzen. Sie flog dem Geräusch entgegen und erblickte ein kleines Mädchen mit geflochtenen Zöpfen. Es saß auf der Erde, umklammerte mit ihren Ärmchen einen Stein und weinte bitterlich. Schmetterlinge und Libellen umtanzten sie, um sie wieder fröhlich zu stimmen, doch sie sah es nicht. Ihre Tränen bildeten schon ein kleines Bächlein, auf dem kleine Blättchen wie Schiffchen segelten. Winzige Fröschlein saßen auf einigen von ihnen und quakten ein lustiges Lied – doch sie hörte es nicht. Die Elfe ließ sich auf dem Stein nieder und rief: „Hallo, Sonnenkind!“ Erst reagierte das Mädchen nicht, doch beim neunten Mal rufen, wurde es plötzlich still und das Mädchen hob ihren Kopf. Sie schaute staunend auf die Elfe. „Wer bist du?“ Ich bin Regenbogenstolz aus dem Elfenland. Ich hörte dein Schluchzen und fand dich hier. Was ist denn geschehen?“ Der eben noch hoffnungsfrohe Blick des Kindes verfinsterte sich, so als würde eine Wolke sich vor die Sonne schieben und einige Tränen rannen über die ohnehin schon nasse Wange. Die Elfe schickte mit ihrem Zauberstab einen warmen Wind zu ihr, um sie zu trocknen. Stockend begann das Mädchen zu erzählen:

 

 „Mein Herz tut so weh. Mein Papa war so unsagbar böse und hat mich angeschrien und gesagt, ich sei eine Lügnerin. Ich habe es nicht ertragen und bin weggelaufen.“ Die Elfe fragte nach: „Was ist denn geschehen, bevor Dein Papa so böse wurde?“ Das Mädchen antwortete: „Ich hatte meinem Papa ein Bild gemalt – als Überraschung, wenn er von der Arbeit kommt. Ich lief in sein Büro, um es auf seinen Schreibtisch zu legen. Da sah ich durch das große Fenster einen Regenbogen.

 

Ich war so glücklich und wollte ihn begrüßen. Ich lief zum Fenster und öffnete es. Da fuhr ein Wind ins Zimmer und alles wirbelte durcheinander. In dem Moment kam mein Vati ins Zimmer und schrie: „Wer war das?“ Ich zitterte am ganzen Körper und sagte: „Der Wind.“ Doch mein Papa glaubte es nicht. Er sagte, ich sei eine Lügnerin, denn ich hätte ja das Fenster geöffnet – den Fensterflügel hatte ich noch in der Hand. Ich war wie in einem Schock.“ Ich bin so tieftraurig, denn ich habe doch wirklich nichts Böses getan. Nicht einmal den Regenbogen konnte ich mehr begrüßen und mein Bild habe ich vor Schreck zu Boden fallen lassen und bin hierher gelaufen.“

 

Die Elfe hatte ihren Kopf in eine Hand gelegt und aufmerksam zugehört. Sie schlug vor, dass sie gemeinsam beten und Gott um eine Lösung bitten. Sie sagte:

 

 

 

 

 

„Weißt Du, Gott weiß am besten, warum so etwas geschieht und wie allen Beteiligten geholfen werden kann. Ich kenne ja deinen Vater nicht.

 

Ich weiß nur, dass meistens alles ganz anders ist, als gedacht!“ Das Mädchen willigte ein. Die beiden setzten sich nebeneinander auf den Stein und beteten zu Gott. In diesem Moment fiel das warme Sonnenlicht auf sie herab. Sie spürten, dass das Gebet im Himmel angekommen war. Das Kind fühlte, wie der Stein von ihrem Herzen genommen war. Sie fühlte sich wieder leicht und froh, dankte der Elfe und lief – nachdem sie sich umarmt und verabschiedet hatten – über die Blumenwiese nach Hause. Sie pflückte noch einige bunte Blumen für ihr Zimmer und tanzte mit den Schmetterlingen um die Wette. Ihr Vater würdigte sie keines Blickes. Doch ihr Herz wurde nicht mehr schwer. Die Elfe hatte ihr Leichtigkeit hineingezaubert.

 

Sie wusste, dass etwas Tiefgreifendes geschehen würde. Sie legte ein aus Blumen geflochtenes Herz mit einem Zettel „Ich hab` dich lieb Papa“ neben seine Arbeitstasche und ging zu Bett.

 

Sie schlief tief und fest und hörte am Morgen das Auto ihres Vaters vom Hof fahren. Ihre Geschenke lagen noch da, wo sie sie hingelegt hatte am Vorabend.

 

Wie jeden Morgen betete sie zu Gott und an diesem Morgen wusste sie, dass Gott helfen würde.

 

Herr Regner fuhr in seinem Wagen ins Verlagshaus.

 

Noch immer war er voller Zorn über das Verhalten seiner Tochter. Wochenlang hatte er an der Diplomarbeit geschrieben. Alles war fertig zur Abgabe und dann das. Es war ihm nicht möglich gewesen, sie in der Kürze der Zeit wieder in die geordnete Form zu bringen. Einige Seiten hatte wohl der Wind mit sich genommen. Ihm war zum Weinen zumute gewesen in der vergangenen Nacht. Heute ist Abgabetermin und er kann ihn nicht einhalten. Noch ahnt er nicht, was dieser Vorfall alles nach sich ziehen wird. Bereits eine Viertelstunde vor dem Termin mit seinem Verlagsleiter sitzt er im Sekretariat. Heute geht es um eine Vertragsunterzeichnung für eine hochdotierte Stellung im Verlag. Lange hat er daraufhin gearbeitet. Der Doktortitel würde das i-Tüpfelchen für seine Wertevorstellung sein. Die Sekretärin rief: „Herr Regner sie können jetzt zum Chef hineingehen.“ Er erhob sich und ging noch in Gedanken versunken zur Tür.

 

Er drückte die Klinke hinunter und öffnete die schwere Eichentür. Plötzlich kam er sich vor, wie in einem Albtraum.

 

Eines der großen Fenster schwang auf und eine Windböe ließ im Zimmer nichts Loses dort, wo es vorher war. Er sah das zornige Gesicht des Verlagsleiters. Er wusste nicht, dass dieser an höhere Fügung glaubte.

 

Herr Regner stand wie angewurzelt im Zimmer – nicht fähig, irgendetwas zu tun. Die Sekretärin, die sich wegen der immer noch offenen Tür wunderte, kam herbeigeeilt und nach Erfassen der Lage, lief sie zum Fenster und schloss es. Sie wollte gerade beginnen, dass große Büro aufzuräumen, als der Verlagschef sie bat, wieder hinauszugehen.

 

 

 

Er setzte sich und schloss kurz seine Augen. Er atmete tief ein und aus, bevor er zu sprechen begann: „Herr Regner – die Entscheidung, Sie zu befördern, stand auf wackligen Füßen. Etwas in mir sagte mir gestern Abend, dass Sie nicht die beste Wahl sind. Nun – jetzt fühle ich dies bestätigt. Ja ich gehe sogar einen Schritt weiter.

 

Ich möchte, dass Sie ihre Sachen packen und gehen. Sie erhalten noch ein Jahresgehalt Abfindung und ein ausgezeichnetes Zeugnis für Ihre Verdienste hier im Verlag. Nun möchte ich Sie bitten, zu gehen.“ Er hatte all dies ganz ruhig ausgesprochen – so wie ein Vater, ganz ohne Groll.

 

Herr Regner traute seinen Ohren nicht. Noch eben hatte er seinen neuen Posten im Blickfeld gehabt und nun hatte er plötzlich keine Arbeit mehr? Er hob an zu sprechen: „Aber, das war doch der Wind…“

 

Doch mit einer Handbewegung bedeutete sein nun ehemaliger Chef ihm zu gehen und widmete sich dem Aufräumen seines Schreibtischs.

 

Wie in Trance schlich Herr Regner mit gesenktem Kopf aus dem Büro. Er lief zu seinem Büro, packte die persönlichen Sachen zusammen und lief zum Auto. Dort angekommen, setzte er sich ans Lenkrad und starrte leer vor sich hin. Plötzlich durchfuhr es ihn wie ein Blitz. Ihm rannen Tränen in Bächen aus den Augen. Ihm kam die Situation mit seiner Tochter zu Bewusstsein und sein Herz krampfte sich zusammen. Er verstand, wie sie sich gefühlt haben musste. In seinem Inneren wurde eine Stimme laut: „Nutze die freie Zeit, die Dir durch die Abfindung gegeben ist und reise mit deiner Tochter. Widme ihr deine ganze Aufmerksamkeit. Nächstes Jahr kommt sie zur Schule. Öffne dein Herz für die Liebe und erkenne, was alles schief gelaufen ist in der Vergangenheit. Deine Tochter wird dir so vieles geben, was dir kein Erfolg und Ruhm je schenken kann.“

 

Ein warmes Licht durchflutete ihn. Er saß wie angewurzelt auf dem Autositz und blickte in den plötzlich strahlend blauen Himmel. Nach einer gefühlten Ewigkeit stieg er aus dem Auto aus, schloss es ab und lief durch den nahegelegenen Park. Da sah er das Schild des Reisebüros. Er lief entschlossenen Schrittes hin und buchte für sich und Amelie eine drei monatige Reise durch Europa. Sein Herz fühlte sich plötzlich leicht und frei an.

 

Er erinnerte sich an seinen Jugendtraum: „Reisend die Welt erobern.“ Doch dann kam alles anders. Studium, Heirat, die Geburt von Amelie, bei der die Mutter starb.

 

Plötzlich sah er, was durch den Tod seiner geliebten Frau mit ihm geschehen war. In ihm war es dunkel geworden und durch diese Dunkelheit war er hart und unerbittlich geworden – nicht nur gegen sich selbst, sondern vor allem gegen das, was ihm das Liebste hätte sein sollen: Seine Tochter Amelie, die ihn an seine Frau erinnerte. Wie konnte er nur so blind gewesen sein? Ein Panzer schien aufzuspringen in seinem Inneren. All der vergrabene Schmerz bahnte sich seinen Weg.

 

Er saß mit den Reiseunterlagen auf dem Schoß auf einer Bank im Park und konnte die Tränen nicht stoppen. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als die Tränenflut plötzlich stoppte und ein Lächeln auf seinem Gesicht erschien.

 

Er hatte JETZT alles in der Hand, um das Leben neu zu überdenken, alles besser zu machen. Sein Inneres fühlte sich an, als wäre es voller Schmetterlinge.

 

 

 

Eine Lebensfreude durchflutete ihn, wie er sie noch niemals gefühlt hatte. Plötzlich erschien vor seinem inneren Auge seine Frau. Sie lachte ihm entgegen und flüsterte ihm zu:

 

„Endlich bist du aufgewacht. Die Liebe ist immer noch da und auch ich begleite euch.

 

Alles wird jetzt einen neuen, wunderbaren Weg für euch nehmen. Vertraue und sei dankbar für jeden Tag deines Lebens.“

 

Wie benommen stand er von der Bank auf. Er schüttelte sich, so als wolle er alles Vergangene von sich abschütteln und rannte lachend und pfeifend gleichzeitig zurück zum Auto. Daheim angekommen, rief er schon von draußen nach Amelie.

 

Sie konnte es nicht glauben, des Vaters Stimme so fröhlich nach ihr rufen zu hören. Flugs rannte sie die Treppe hinunter direkt in die Arme ihres Vaters, der sich im Flur hingekniet hatte. Er umarmte sie und weinend sagte er:

 

„Verzeih mir mein Engel. Heute hat Gott mir ein ähnliches Erlebnis geschenkt, damit mir die Augen geöffnet werden. Auch mir spielte der Wind einen Streich und alles im Büro meines Chefs wirbelte durcheinander.“ Plötzlich musste er schallend lachen – die Bilder von gestern und heute vor Augen. Auch Amelie fiel in das Lachen mit ein. Sie gingen Hand in Hand in die Küche und machten einen Kakao. Als sie am gemütlichen Küchentisch saßen erzählte der Vater Amelie, was geschehen war. Mit großen Augen hörte sie gespannt hin.

 

Als dann der Vater von der bevorstehenden Reise berichtete, konnte sie ihre Freude nicht verbergen. Sie rannte um den Tisch herum und fiel ihrem Vater um den Hals. Sie konnte gar nicht fassen, was die Elfe für sie getan hatte.

 

Als sie an diesem Abend im Bett lag, betete sie zu Gott, dass die Elfe ihr noch einmal erscheinen möge. Es dauerte gar nicht lang und vor ihrem Fenster erschien ein helles Licht. Sie wachte auf von dem hellen Schein und lief zum Fenster. Dort wartete schon die Elfe mit ihrem Zauberstab. Amelie streckte ihre Hand aus, damit die Elfe darauf Platz nehmen konnte.

 

Unter Freudentränen erzählte Amelie was geschehen war. Sie konnte ja nicht wissen, dass die Elfe bereits über alles im Bilde war. Es war so wunderschön, in die glücklichen Augen dieses Kindes zu blicken. Die Elfe sprach:

 

„Warte nur Amelie, das ist erst der Anfang… Auf dich und deinen Vater wartet nun ein Leben voller Freude ohne Ende. Er hat das Geschenk der Situation erkannt und so eine Tür geöffnet, die direkt ins Paradies führt.

 

Gottes Plan für Euer Leben darf sich verwirklichen. Alles wird noch viel schöner werden, als du und dein Vater sich das in Träumen auszumalen vermögen. Meine Arbeit ist getan. Ich wünsche Dir aus ganzem, tiefem Herzen alles Beste und denke immer daran, dass wir immer da sind, auch wenn du uns nicht sehen kannst. Wann immer jemand Hilfe und Unterstützung braucht, sind wir da und Gott sowieso.“

 

Amelie standen Tränen in den Augen, so berührt war sie von den Worten der Elfe. Sie fühlte, dass sie nie mehr allein sein würde. „Ich werde dich nie vergessen und auch meinen Kindern später von dir erzählen! Und immer werde ich Gott dankbar sein für das Geschenk an uns!“

 

Die Elfe hüllte sich in Goldstaub und war entschwunden.

 

Am nächsten Tag packten Amelie und ihr Vater ihre Koffer für die lange Reise. Ihrer Nachbarin gaben sie die Schlüssel für das Haus. Gerne schaute diese nach allem, während der Abwesenheit.

 

Als der Vater noch ein letztes Mal zum Briefkasten ging, um die Post zu holen, traute er seinen Augen nicht. Ein Brief von der Lottogesellschaft. Ihm wurde mitgeteilt, dass er einen großen Geldgewinn bekommen würde. Er schüttelte den Kopf:

 

„Was ist nur plötzlich los?“

 

Bevor sie auf ihre Europatour starteten, warf Herr Regner noch den Brief mit den Bankdaten in den Kasten und mit einem Lächeln im Gesicht begann die Reise in ein neues Leben.

 

In Kroatien verloren Vater und Tochter ihr Herz an einen beschaulichen Ort. Beide wussten: Hier bleiben wir! Ein Häuschen mit kleinem Garten an der Küste der Adria wurde ihr neues Zuhause. Schnell lernten sie die Sprache und die Menschen im Dorf kennen und mögen. Herr Regner begann zu schreiben. In ihm erwachte plötzlich ein Talent, von dem er nicht gewusst hatte, dass es in ihm schlummert. In ihm erwachte die Fantasie der Kindertage und es entstanden Geschichten über Geschichten die Kinder und Erwachsene zum Weinen und Lachen brachten. Amelie schloss schnell Freundschaft mit den Kindern im Ort und fühlte sich wohl wie noch nie. Eines Tages, als sie am Strand spazierten, fiel ihnen eine Frau auf, die nahe des Wassers an einer Staffelei saß und malte. Sie liefen mit ihrem Picknickkorb näher und schauten, was die Frau malte. Beide staunten mit offenem Mund, welch paradiesische Landschaft die wunderschöne Frau da gemalt hatte. Als die Frau sich ihnen zuwandte und sie anlächelte war es, als ob der Himmel sich öffnete und Engelchöre ein Lied anstimmten. Sie konnten ihre Augen nicht voneinander abwenden und schauten sich minutenlang nur an. Amelie war die erste, die ihre Sprache wiederfand:

 

„Sind Sie allein?“

 

Die Frau lachte und stellte sich vor: „Ich heiße Liliane, wohne hier seit 3 Jahren allein und wusste, dass Gott mich aus einem bestimmten Grund an diesen Ort gebracht hat.“

 

Herr Regner wischte sich seine Augen, schloss den immer noch aufstehenden Mund und stammelte: „Das ist Amelie meine Tochter und ich bin Georg. Wollen Sie uns heiraten?“

 

Alle drei mussten plötzlich lauthals lachen und konnten lange nicht aufhören. Sie setzten sich zusammen an den Strand, ließen sich das Picknick schmecken und erzählten sich bis in die Nacht hinein so ziemlich alles, was man wissen sollte, um sich kennenzulernen und miteinander glücklich leben zu können. Die Sterne beleuchteten das Szenario und ein warmer Wind umarmte die drei die sich nicht gesucht und doch gefunden hatten, weil es so vorbestimmt gewesen war. Das Leben schreibt eben doch immer noch die schönsten Geschichten für all jene, die Gott in ihrem Leben Raum schenken, damit die Liebe alles zum Besten führen kann.

(c) Ines Evalonja

Erinnerungen an seine Rose

 

 

Nur ganz leise durchzog sein Herz eine Weise, die von fernen Zeiten ihm sang… Als sie noch bei ihm lebte, war ihm vor gar nichts bang. In jedem Jahr erinnert ihn der Rosenstock vorm Haus, als sie noch alles gemeinsam erlebten tagein und tagaus. Jede der zarten Blüten gleicht ihrer inneren und äußeren Schönheit, die immer wieder aufs Neue sein Herz ließ werden so unendlich weit.

 

Ein jeder ihrer gemeinsamen Tage war getragen von ihrem Lachen. So manche Nacht ließ seine Liebe zu ihr ihn an ihrem Bette wachen. Die Liebe ist geblieben, als sie von immer von ihm schied und mit ihr auch all die Erinnerungen an ihr perfektes gemeinsames Leben, wie man es heute nur noch selten sieht. Durch jede der Blüten am Rosenstock ist sie ihm immer noch nah, ihr Geruch und alles was sie war, noch immer überall da. Sie schrieben sich täglich Briefe und beschenkten sich mit sinngefüllter Zeit. Immer war der andere zu allem für den anderen bereit. Kein böses Wort hatte je ihre Lippen verlassen, ihr gemeinsames Lachen erfüllte oft die Gassen in der nahegelegenen Stadt.

 

Alles was er noch tut in seinem Leben, tut er in Dankbarkeit für diese Liebe. Er hegt und pflegt diese Rose vorm Haus, damit sie hat immer neue Triebe. So vieles ist ihm geblieben von ihr an gemeinsam erlebtem Glück, dass er es weitergeben kann, allen die es wünschen, seine Lebensweisheit Stück für Stück: Die Liebe lebt bis in die Ewigkeit und wirkt aus ihr zurück. Erhalte dir ein Sehnen nach der reinen Liebe, damit sie dann, wenn sie dich gefunden, für immer in dir bliebe. Gib dich nicht mit weniger zufrieden als dem, was dich wirklich GANZ erfüllt und deinen Hunger nach der himmlischen Freude auch tagtäglich wirklich stillt.

 

Er lehnt sich zurück in seinem alten Ohrensessel und schließt langsam seine Augen. Vor ihm erscheint das Bild seiner Frau und immer wieder kann er es in sich einsaugen. Ein sanftes Lächeln erscheint auf seinem gegerbten Gesicht und lässt ihn leuchten wie eine Sonne. Denkt man an „das“, womit man sich in Liebe verbunden fühlt, ist es eine einzige Wonne. So mancher Traum entsteht dann im Herzen und entzündet neue Kerzen an Inspiration. Einem jeden wünscht er eine solche Liebe, damit auf der Welt immer ein Ort wie ein Paradies übrig bliebe. Mit wissendem Blick auf ein gemeinsames Bild mit ihr aus fernen Tagen, hat er in sich keine Fragen, als er in Frieden loslässt von dieser Welt. Als er seinen irdischen Atem ausgehaucht, sieht man zwei Schmetterlinge im Garten beim Rosenstock in den Himmel schweben. Zwei in Liebe verbundene Seelen durften sich nun erheben – vereint zum ewigen Leben.

 

 

 

© Ines Evalonja 

 

Aus dem Buch „Rosenträumereien“ ISBN 978374341242755

 

Die Geschichte von den 3 Rosen

 

 

Es waren einmal drei Rosen. Sie stammten von derselben Art und doch waren sie verschieden in ihrem Aussehen, weil jede eine andere Größe hatte. Eines Tages kam ein Mädchen vorbei und blieb bei den Rosen stehen. Traurig war ihr Blick und sie begann mit ihnen ein Gespräch:

 

„Wie fühlt ihr Euch, weil ihr so unterschiedlich groß seid? In meiner Klasse bin ich die Kleinste und werde dafür von den anderen immer gehänselt. Mein Herz schmerzt jedes Mal so sehr und ich wünschte, ich würde wachsen.“

 

Die kleinste der Rosen begann zu sprechen:

 

„Weißt du, wir fühlen keinen Schmerz. Unsere unterschiedliche Größe hat einen Sinn. Ich  blühe für die Kinder, damit sie mich genauso gut sehen und betrachten können wie die Erwachsenen die große Rose. Jeder hat seine Bestimmung. Warum also sollte ich traurig sein. Du hast mich gesehen, während die großen Menschen an mir vorübergehen. Konzentriere dich auf all das Kleine und Kleinste, was sonst niemand beachtet. Du wirst so immer etwas haben, was andere nicht sehen und verstehen. Betrachte alles ganz genau und höre in dein Herz, was es dir für Geschichten erzählt. Diese gib an die Kinder weiter, die dich ärgern.“

 

Das Mädchen befolgte den Rat. Es beobachtete in der Natur die ganz kleinen Dinge: Die emsigen Ameisen, die winzigen Blüten im Gras, Grillen, Grashüpfer und die Moose im Wald. Bald begann die Natur mit ihr zu sprechen und sie erkannte, dass alles seinen ganz bestimmten Platz hat und einer inneren Ordnung gehorcht. Oh sie hatte viel Freude an den Geschichten, die in ihrem Herzen geboren wurden und begann auch, Bilder zu malen von all den Wundern und dem Wundersamen. Bald schon leuchtete sie von innen, weil die Freude am Erleben und Entdecken sie erfüllte.

 

Die anderen Kinder bemerkten es und waren neugierig, was ihr Geheimnis war. Sie erzählte ihnen die unglaublichsten und lustigsten Begebenheiten und steckte sie an mit ihrer Liebe zum Kleinen und plötzlich waren auch die Großen Gefährten an ihrer Seite, die zu Freunden wurden. Gegenseitig berichteten sie sich von ihren Entdeckungen – die Kleinen von den Kleinen und die Großen von den Großen. Die Mittelgroßen fassten all die Geschichten und Entdeckungen zusammen und kamen zu dem Ergebnis, dass das Leben im Kleinen wie im Großen eine Freude ist und in der Mitte die Harmonie geboren wird. Sie entdeckten fortan gemeinsam die Welt und waren glücklich, dass alles so war, wie es war. Und eines Tages liefen sie alle gemeinsam zu den drei roten Rosen und dankten ihnen für die übermittelte Weisheit. Ein kleiner Künstler meißelte in Stein ihr Ebenbild und die Geschichte, damit sie noch lange erhalten bliebe für alle kleinen und großen Leute.

 

© Ines Evalonja

 

Aus dem Buch „Rosenträumerei“ – ISBN 9783-741242755

 

 

 

Die Zaubernüsse

 

Ich fand Zaubernüsse zum Verschenken. Du glaubst mir nicht? Du magst mir sagen, dass das Haselnüsse sind? Nun, das mag sein – doch es sind auch ZAUBERnüsse. Warum? Weil es ein Märchen gibt, indem 3 Haselnüsse Zaubernüsse waren. Sie halfen, dass ein Märchen war wurde, dass ein Mädchen, dass es von allen am allermeistersten verdiente, so richtigrichtig RICHTIG glücklich wurde – und sie lebt sogar noch heute so glücklich, weil niemand weiß, ob Sie und ihr Liebster tatsächlich gestorben sind. Du magst entgegnen. Das ist doch nur ein Märchen. Und ich sage: „Ja, das mag sein. Doch ist es nicht so, dass es immer wieder ganz wahre, also so wirklich wahr gewordene Märchen gibt? Nicht nur so ein bisschen wahr – nein sie sind wahr, weil sie tatsächlich jemand erlebte und davon erzählte und man sich so davon überzeugen konnte. Ja, in meiner Welt gibt es Zaubernüsse. Natürlich kann ich nicht sicher wissen, dass es Zaubernüsse sind. Doch allein die Möglichkeit, dass es welche sein könnten, macht mich unsagbar glücklich. Und ich habe nicht nur 3 von ihnen – ich habe noch viel mehr und kann noch mehrere finden. Was ich damit mache? Nun ich werde sie verschenken, damit auch noch andere die Möglichkeit haben, dass sie diesen Zaubernüssen, die es möglicherweise sind, ihre geheimen Herzenswünsche anvertrauen. 
Ich habe Dir einen Spalt breit die Tür geöffnet zu meiner Welt, damit ein wenig Licht von meiner Welt in Deine fällt. Fühl Dich eingeladen, hereinzukommen. Möglicherweise wirst auch Du verzaubert und noch großartigere Möglichkeiten finden, dass Märchen wahr werden. Was ich nicht wissen kann ist, in welchem Märchen Du Dich wiederfindest – ob sich der Zauber durch einen Froschkönig einfindet oder Dich ein Prinz küsst aus langem Schlaf, vielleicht bist Du auch DER Prinz der es schafft, eine Prinzessin zu retten vor einem Drachen, vielleicht musst Du ein kaltes Herz beleben, bis es die Liebe fühlen kann zu Dir – all das kann ich nicht wissen. Doch das ist doch nun wirklich nebensächlich. Schließlich ist es doch WUNDERherrlich sich überraschen zu lassen? Oder? Möglicherweise schwant Dir noch viel Wundervollereres, was ich mir selbst noch gar nicht ausmalen kann und wovon erst Du mir berichten wirst. 
Du ahnst vielleicht (noch) nicht, welches Geschenk Dir durch meine Worte ins Herz fließen. Möglicherweise bist Du oder wirst Du es eines Tages sein, an dem Du Dich am Ende glaubst. Doch dann wirst Du Dich möglicherweise hoffentlich daran erinnern, dass es möglicherweise möglich ist, dass Märchen wahr sein könnten und immer das Gute siegt. Am Ende kann alles gut sein, wenn Du es für möglich hältst und alles kann dann von diesem scheinbaren Punkt, an dem Du Dich am Ende glaubst, wieder einen neuen Anfang nehmen, nur weil Du es für möglich hältst, dass es so ist. Denn wenn Du das Gute für möglich hältst, öffnet sich etwas in Dir für neue Möglichkeiten und Du kannst entscheiden, womit dieser neue Anfang beginnen soll, damit alles einen guten Weg nimmt und am Ende alles gut sein wird. Wenn Du dann zurückgeblickt haben wirst, wirst Du staunen, was alles möglich geworden war, als Dir an dem Punkt, als alles am Ende schien, vorzustellen vermochtest, dass nicht alles am Ende war, sondern Du Dich an diesem Punkt tatsächlich für Möglichkeiten öffnetest, von denen Du noch keine Vorstellungen hattest, wie sie hätten ausgesehen haben können. Nur Dein Glaube, dass dieses Ende einen guten neuen Anfang nehmen würde, hatte Dir geholfen auf einen neuen Weg. Schaust Du zurück, war das schon immer so, Du findest Situationen, wo Du das schon erlebtest und so wirst Du Dir immer sicherer, dass es tatsächlich möglich ist, dass ein Ende immer auch ein Anfang ist. Nimm Dir diesen Punkt, dass alles immer am Ende gut wird und dass wenn etwas gerade noch kein gutes Ende gefunden hat, etwas einen guten neuen Anfang findet, damit Du einen neuen Weg beginnen kannst, der zu einem guten Ende findet. Nur dieser Punkt – ich nenne ihn den Möglichkeitspunkt – wenn Du diesen festhältst in Dir, dann kann es nur so sein, dass Märchen wahr werden, dass Du möglicherweise irgendwann an einem Punkt ankommst oder gerade an einem bist, an dem etwas in Dir Dich an diese Worte erinnert, damit Du wieder Hoffnung hast für neue Möglichkeiten und daran glauben kannst, dass alles gut werden wird. Möglicherweise hast Du von mir zu diesen Worten 3 Haselnüsse geschenkt bekommen. Oder Du hast nun die Idee als Geschenk in Deinem Herzen – so kannst Du auch selbst welche für Dich finden oder sie mit diesen Worten verschenken – JA, VERSCHENKEN! Nur so haben sie und behalten sie ihren Zauberwert. Nichts Gekauftes hat je den Wert dessen, was Dir jemand schenkte, Dir von Herz zu Herz weitergab. Ich eröffne Dir und jedem mit diesen 3 Haselnüssen die Möglichkeit Dir etwas zu wünschen – Du hast 3 x Gelegenheit, dass Deine Wünsche wahr werden – nicht nur für Dich. Nein – durch die Möglichkeit, die ich Dir eröffnet habe, auch selbst diese Worte weiter zu verschenken mit oder ohne Haselnüsse, ist die Möglichkeit gegeben, dass jeder Mensch von diesem Möglichkeitspunkt erfährt und auch von den Zaubernüssen und somit 3 Wünsche in die Erfüllung bringen kann. Du kannst Dir wünschen, was DU willst – für Dich und auch andere. Doch hier möchte ich Dir noch einen Herzensrat schenken und Deine Gedanken auf etwas Wichtiges lenken. Nie und wenn ich nie sage, meine ich tatsächlich und ganz wirklich nie, kannst Du ganz genau wissen, was für Dich in diesem Moment an diesem Punkt, wo Du gerade stehst oder eines Tages möglicherweise stehen wirst, das Beste sein wird. Du weißt es nicht für Dich und schon gar nicht – nie nicht – für andere Menschen. Also ist der beste Wunsch immer der, dass Du Dir wünschst, dass das Beste geschehen mag für Dein Leben oder für das Leben dessen, für den Du etwas wünschst. Möglicherweise oder sogar sehr sehr sicher, kannst Du Dir nämlich nicht mal in Deinen allerkühnsten Träumen vorstellen, WAS alles möglich ist, wenn Du alles für möglich halten könntest, was möglich ist. Doch Du hast doch verdient, dass das Beste für Dich geschieht und nicht irgendwas – stimmts? Und wenn ich sage das Beste, dann ist das oftmals erst einmal gar nicht zu sehen, dass das, was geschieht etwas Gutes ist. Denn manchmal hat man etwas Wichtiges zu erkennen, etwas zu lernen, damit am Ende alles gut sein kann. Doch das kannst Du Dir im Moment möglicherweise gar nicht vorstellen. Doch möglicherweise eines Tages wird es möglich sein, dass Du diese Worte in Dir wieder aufsteigen hörst und sie Dich an einem Punkt retten, damit alles Beste für Dich und andere wahr werden kann. Möglicherweise wird es sogar so sein, dass sich nicht nur eine/r daran erinnert oder viele, dass sich nur das ereignen kann, was wir für möglich halten und ihnen werden Erinnerungen kommen, das schon unendlich vieles möglich wurde, von dem man nie gedacht hätte, dass es möglich ist – bis es dann doch wirklich wahr geworden ist. Ja, möglicherweise werden diese Worte einmal wichtiger sein können, als ich mir heute vorstellen kann. Denn sie wurden mir geschenkt an einem Punkt, an dem es fast ein Ende gegeben hätte und etwas Neues begann. Mir ist dieser Möglichkeitspunkt ins Herz geschrieben, sodass ich ihn nie mehr verleugnen kann. Es ist alles möglich, was ich mir vorstellen kann und ich konnte mich überzeugen, dass, als ich es zumindest für möglich hielt, dass einem Ende immer die Möglichkeit eines neuen guten Anfangs inne wohnt, für einen Weg, der ein gutes Ende nimmt. Und nach diesem guten Ende – denn irgendetwas geht immer zu Ende – stimmts? Ein Tag, eine Woche, ein Monat, ein Lebensjahr, ein Film, ein Buch, ein Sommer, eine Freundschaft, eine Partnerschaft, ein Leben, ein Treffen, ein Urlaub, eine Arbeitsstelle... Du kannst hier selbst noch vieles einsetzen. Es gibt immer wieder einen Punkt, an dem etwas neu beginnt. Möglicherweise erlebtest Du bisher nur gute Enden und gute Anfänge. Auch gut. Doch nur für den Fall, dass es einmal nicht so ist, hast Du nun die Möglichkeit, Dich dieses Möglichkeitspunktes zu erinnern. Ich gebe Dir das zu wissen, damit Du niemals, niemals, niemals die Hoffnung aufgibst. Denn dann wohnt in ´jedem Anfang ein Zauber, der Dich bis zum guten Ende trägt und selbst wenn das Ende einmal scheinbar nicht gut ist, dann besteht die Möglichkeit, dass es noch gar nicht das Ende ist, weil es eben noch nicht gut ist. Oder aber es ist das Ende von etwas. Dann erinnere Dich an den Möglichkeitspunkt, der Dich öffnet für all die Möglichkeiten, die Dich zum nächsten guten Ende führen. Möglicherweise findest Du so zu einem Glück ohne Ende. Und wenn Du dann nie gestorben wärest, dann lebtest Du noch heute, wann auch immer dieses heute dann ist. Also vergiss diese Zaubernüsse nicht, die Dir möglicherweise das märchenhafteste Leben schenken, dass Du Dir nicht mal ansatzweise vorzustellen vermagst. Möglicherweise-Punkt.

 

Aufgeschrieben von Ines Evalonja

 

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Bunte Scheine - ein Weihnachtsmärchen

 

 

Bunte Scheine Eine Weihnachtsgeschichte

 

 

Lucia machte sich auf den Weg, um für das Weihnachtsfest Geschenke zu besorgen. Sie war schon seit Tagen unterwegs gewesen, um in den Schaufensterauslagen zu schauen, was für die Familie in Frage kommen könnte. Oh wie farbenfroh und leuchtend sprang ihr so vieles förmlich ins Herz, was ihren Eltern, Geschwistern und Freunden Freude bringen würde.

 

So ging sie denn in den ersten Laden, in dem es für ihre liebe Mama kuschlige Pantoffeln für zu Hause gibt. Doch als sie sie einpacken möchte, möchte die rundliche Frau hinter der Theke Geld von ihr. Lucia weiß nicht, was das ist. Da zeigt die Frau ihr lauter bunte Scheine: „So sieht Geld aus!“ ohne dieses bekommst du nichts in einem Geschäft. Lucia schaut die Frau verständnislos an und geht mit gesenktem Kopf nach Hause. Auf dem Weg dorthin erinnert sie sich an ihren alten Kaufmannsladen. Dort ist in einer alten Kasse ihrer Erinnerung nach so buntes Papier. Eiligen Schrittes kehrt sie nach Hause zurück und tatsächlich, dort befindet sich ein ganzes Bündel von bunten Scheinen. Freudig nimmt sie diese heraus und steckt sie in die Tasche. Dann zieht sie wieder ihre Stiefel und die Jacke an und spaziert frohen Herzens zurück zu den herrlich kuschlig warmen Pantoffeln. Sie legt das Bündel Scheine auf den Tresen. Doch die Frau in dem schaut nur stirnrunzelnd über ihre dicke Brille und schüttelt den Kopf. Lucie versteht nicht. „Das ist Spielgeld! Damit kann man nichts kaufen!“ sagt die nun stirnrunzlige Frau während sie mit dem Finger auf die Türe zeigt. Lucie steckt nimmt die Scheine und geht mit eingezogenem Kopf zurück auf die Straße. Da sitzt ein Mann mit einem Hund vor der Tür. Vor ihm steht ein Hut mit Münzen und einem roten Schein.  „Darf ich mich neben dich setzen“ flüstert Lucie und wischt sich eine Träne aus dem Gesicht. Der Mann, der ganz in Gedanken versunken war, schaut auf. „Warum möchtest du dich neben mich setzen?“ Lucie antwortet: „Du hast etwas in deinem Hut, was ich auch brauche. Ich möchte für Weihnachten Geschenke besorgen, doch ich habe nicht die richtigen bunten Scheine dafür!“ Der Mann muss schmunzeln. „Was hast du denn da in deiner Hand?“ „Ach das ist Spielgeld hat die Frau in dem Laden gesagt. Dabei sind es bunte Scheine und es stehen Zahlen darauf. Also wieso wird das nicht genommen?“ Der Mann setzt ihr den Hundewelpen auf den Schoß und betrachtet das Mädchen stumm, wie sie plötzlich mit lachenden Augen mit dem Hund spielt. Er steht auf, um in der Bäckerei auf der anderen Straßenseite einen Kakao und Kuchen zu besorgen für den roten Schein, den ihm vor einigen Minuten jemand in den Hut getan hat. In der Bäckerei ist eine lange Schlange, sodass es eine ganze Zeit dauert, bis er wieder zurückgehen kann. Er sieht nicht, wie viele Menschen an seinem Platz, an dem nun nur noch ein Kind mit einem Hundewelpen sitzt, vorübergehen oder stehenbleiben. Lucie derweil ist so beschäftigt mit dem Hund, der ihr Herz mit ganz viel Glück füllt, dass auch sie nicht bemerkt, wie ihr Anblick die Herzen der Menschen berührt. Als Jonas, der nach einer schweren Erkrankung und der Trennung von seiner Frau nicht mehr in ein „normales“ Leben – wie es die Menschen zu benennen pflegen – zurückgefunden konnte, über die Straße läuft ist es ihm, als ob ein Licht ihn begleitet. Wie verzaubert schaut er auf das friedlich-stille Bild. Es erinnert ihn an glückliche Tage, die wie ein Traum aus ferner Zeit zu ihm herüberwehen. Plötzlich brechen sich nie geweinte Tränen in ihm Bahn und er kniet sich vor die beiden hin und nimmt sie in die Arme! Immer mehr Menschen bleiben stehen und sind so berührt von dem, was sie sehen, dass immer mehr sich Tränen aus den Augen wischen. Jemand beginnt „Stille Nacht, Heilige Nacht“ anzustimmen. Immer mehr bunte Scheine fallen in den Hut, was weder Lucie noch Jonas bemerken. Auch der Kakao wird inzwischen kalt. Als Jonas seine Umarmung löst und das geliebte Weihnachtslied hört, schaut er sich erstaunt um und sieht all die Menschen, die sonst meist achtlos an ihm vorüber gegangen sind. Lucie erzählt von ihrem Vorhaben, Weihnachtsgeschenke zu besorgen und immer mehr Menschen beginnen zu schmunzeln und die Herzen öffnen sich immer mehr. Jonas nimmt den Hut und bedankt sich bei allen per Handschlag. Lucie tut es ihm gleich währen der Welpe ihnen schwanzwedelnd um die Beine läuft. Jonas lädt Lucie ein, mit ihm gemeinsam all die Geschäfte zu besuchen, in denen sie etwas gesehen hatte für das Weihnachtsfest. Freudig stimmt Lucie zu und ihnen folgen all die Menschen, die um sie herumgestanden hatten. Immer mehr Menschen schließen sich an und erfahren unterwegs, was sich zugetragen hatte. Alle Geschäftsleute fühlten sich dazu bewogen, die Geschenke auszubuchen und ohne Geld an das Kind weiterzugeben. Zum Schluss war die ganze Stadt auf den Beinen und traf sich auf dem wunderschönen Marktplatz. Dort stellte sich Jonas mit Lucie und dem Welpen in die Mitte und stimmte nochmals das Lied „Stille Nacht, Heilige Nacht“ an. Die Menschen fassten sich an den Händen während das Lied aus ihren Kehlen drang. Jonas sprach danach für alle hörbar folgendes: „Heute ist noch nicht Weihnachten und doch ist es der schönste Weihnachtstag, den ich mir vorstellen kann.

 

Ohne Vorplanung hat der Himmel einer ganzen Stadt die Herzen geöffnet und gezeigt, dass die Freude und die Liebe die wichtigsten und schönsten Mittel sind, um sich zu beschenken. Dann braucht es keine bunten Scheine und doch ist jeder beglückt und berührt! Danke Gott im Himmel, dass du mich heute lehrtest, was Liebe ist und was sie bewirkt!“

 

Lucies Familie kam aus den hintersten Reihen zu Jonas, ihrer Tochter und dem Welpen vor. Sie nehmen Jonas in die Arme und laden ihn zum Weihnachtsfest ein. Er erhält innerhalb kürzester Zeit Angebote für einen Neuanfang. Schon am Heilig Abend hat er einer Anstellung zugestimmt und darf sein neues Zuhause beziehen. Lucie darf den Hundewelpen behalten und hat damit das wundertollste Weihnachtsgeschenk von allen – findet sie! Viele Menschen der Stadt bringen Jonas Einrichtungsgegenstände für seine neue Unterkunft. Als sie ihn gebadet und in frischen Sachen sehen, erkennen sie ihn kaum wieder und sind tief berührt von ihrer eigenen Blindheit. In dieser Stadt kehrte die Liebe zurück. Die Menschen wurden aufmerksamer füreinander und die Hilfsbereitschaft wuchs. Die Künstler der Stadt leisteten ganze Arbeit, denn sie erschufen gemeinsam ein Denkmal für Jonas, Lucie und den Hund. Zum Jahreswechsel wurde es auf dem Marktplatz enthüllt und Musiker der Stadt gaben ein kostenfreies Konzert. Plötzlich erwachten in den Menschen vollkommen unerkannte Talente, die sie einander zur Freude in vielfacher Form einsetzten.

 

Der Zauber von Weihnachten… verband in der vom Himmel gesegneten Zeit die Seelenlichter der Menschen an diesem Ort. Als das neue Jahr vor der Tür steht, stehen alle andächtig unter einem prächtigen Sternenhimmel. Als vom Kirchturm der Klang der Glocke ertönt, erblicken alle am Himmel einen strahlend hellen Kometen. Ein Raunen geht durch die Reihen! Dankbar und in Freude fallen sich alle in die Arme und erkennen das Wunder dieser Zeit. Niemand sagt ein Wort, weil niemand diesen unsichtbaren Zauberteppich zerstören möchte, der sie einhüllt und verbindet.    

 

Fortan werden alle bunten Scheine für das Gemeinwohl eingesetzt. Niemand will für sich mehr, als er anderen zugesteht. Einer steht für den anderen ein, weil die Menschen erkennen, dass es jedem einzelnen am wohlsten geht, wenn alle in Freude leben können. Das Wesen der Menschen wurde in jenen Tagen vollkommen umgedreht. Doch für alle war es, als sei es nie anders gewesen. Sie lebten nun in einer friedlichen und glücklichen Zeit. Man grüßte sich nun nur noch mit „Frohe Weihnachten!“ weil dieses Fest alles für diese Menschen geworden war und weil das Fühlen wie ein Feuerwerk in den Herzen neu entfacht wurde, wenn sie diese zwei Worte hörten oder aussprachen.

 

FROHE WEIHNACHTEN… es kann auch dir wie Musik und Duft und Farben im Herzen zu einem warmen Feuerwerk werden. Es liegt in jedem dieser Funken Licht aus dem so viel Gutes aus dem Menschen spricht! Frohe Weihnachten… zwei Worte voller Liebe, die die Augen zum Strahlen bringen können!

 

Frohe Weihnachten wünsche ich auch DIR und mir im Lichterschein der Sterne und Millionen von Kerzen rings um den Erdball!

 

(c) Ines Evalonja

 

Neujahrsmärchen

 

Neujahrsmärchen


Es war einmal ein kleines Schweinchen. Es lebte mit anderen Artgenossen auf einem Tierhof, wo auch noch andere Tiere lebten. Neugierig war es und beobachtete alles um sich herum. Eines Nachts hatte es einen Traum. Ein Engel erschien ihm und sagte: „Es wird ein weiß gekleidetes Wesen erscheinen und einen Apfel bringen. Dieser Apfel ist kein gewöhnlicher Apfel. Seine Kerne sind der Samen für den ersten Baum für das neue Paradies auf Erden. Aus ihnen wird ein Baum wachsen, dessen Früchte magische Kräfte haben. Wer von ihnen isst, wird in diesem Moment verwandelt werden. Er wird mit Liebe erfüllt sein und dem Paradies in Freude dienen. Du bist auserwählt, allen Gefahren zu trotzen und mutig diesen Apfel seiner Bestimmung zuführen. Erwarte nur den Tag. Es wird werden.“ Als das kleine Schweinchen erwachte, war es mit einem ganz großen Freudegefühl erfüllt. So etwas hatte es noch nie gefühlt. Es erzählte seinen Geschwistern von diesem Traum, doch alle lachten es aus. Das Schweinchen wurde ganz traurig. Niemand wollte daran glauben, dass es allen irgendwann besser gehen würde. Alle hatten sich damit abgefunden, dass sie in einem umzäunten Gelände lebten: Außen ein großer Zaun und innen noch ein Elektrozaun. Immer wieder wurden einige seiner Artgenossen abgeholt und kamen nicht mehr wieder. So oft hatte es geweint, weil es einen Schmerz im Herzen fühlte, den es sich nicht erklären konnte. Ihm wurde gesagt, dass sie als Nahrung für die Menschen dienen und dafür hier leben. Angst erfüllte seither sein Inneres und die Angst war es, die es vor den Menschen flüchten ließ. Doch seit diesem Traum war ein kleines Licht in seinem Inneren geboren – ein Hoffnungsschimmer, dass es anders werden kann. Es wurde Weihnachten. Die meisten seiner Familie waren nicht mehr da. Am ersten Weihnachtstag war es, als plötzlich ein Raunen durch die Schweinefamilien ging. Am Weg war ein weiß gekleideter Mensch erschienen. Sie schauten wie gebannt in seine Richtung. Dieser Mensch strahlte eine Güte und stille Freude aus, die sie im Herzen berührte. Es war eine Frau, die einfach nur dastand und mit liebevollem Blick zu ihnen hinschaute. Wie von unsichtbarer Hand an einer Schnur herangezogen, bewegten sich alle – erst langsam, dann immer schneller – in Richtung dieser Frau. Die kleinen wagten sich sogar unter dem Elektrozaun hindurch, um ihr ganz nahe zu sein. Das kleine Schweinchen war am mutigsten. Es lief bis zum äußeren Zaun und schnüffelte an der ausgestreckten Hand der Frau. Plötzlich geschah es: Ihre andere Hand erhob sich und darin sahen sie alle einen Apfel. Sie hob den Arm und warf den Apfel in das Gehege. Alle rannten sie zu dem Apfel. Doch sie konnten nichts Besonderes an ihm entdecken. Auch das kleine Schweinchen flitzte zu dem Apfel, sich an seinen Traum erinnernd. Als es den Apfel erreichte, waren alle anderen schon weggelaufen. Der Apfel begann von innen zu leuchten, als das kleine Schweinchen ihn erreicht hatte. Es wusste, dass es DER Apfel aus seinem Traum war. Es schnappte sich den Apfel, um ihn in Sicherheit zu bringen hinter dem alten Baum, so wie es ihm im Traum erschienen war. Doch als das Schweinchen - den Apfel im kleinen Mäulchen - dahin laufen wollte, bekamen plötzlich auch die anderen Interesse. Das Kleine nahm seinen ganzen Mut zusammen und sagte sich immer wieder: Ich schaffe das!
Es wusste, dass es an ihm lag, den Traum vom Paradies am Leben zu halten und dafür den Samen zu legen. Es trotzte allen Gefahren und der Dunkelheit der Ängste in ihm. Endlich erreichte es mit klopfendem Herzen den alten Baum und legte den Apfel ab. Plötzlich hörte es eine Stimme in seinem Herzen: „Iss den Apfel! Er wird Dich stärken und schützen. Nur die Kerne im Inneren lass übrig und vergrabe sie im Erdreich.“ Das kleine Schweinchen gehorchte und tat, wie ihm geheißen. Es fühlte sich danach reich beschenkt und glücklich wie nie. Da sah es zu der Frau hinüber, die alles mit einem frohen Lächeln beobachtet hatte. Es lief zu ihr hin. Die Frau sprach: „Aus diesen Kernen wird in kurzer Zeit ein stattlicher Baum heranwachsen, der alle, die ihn erblicken, zu sich ziehen wird. Jeder wird von seinen Früchten essen wollen und durch das Essen des Obstes von der göttlichen Liebe erfüllt sein.
Dadurch erwacht auch die Achtsamkeit und Demut vor der Schöpfung Gottes wieder – Leid und Schmerz werden aufhören zu existieren. Du kleines Schweinchen bist Deinem inneren Ruf gefolgt und hast Deiner Bestimmung gemäß gehandelt. Du wirst auf ewig ein Symbol des Glückes sein.“ Das kleine Schweinchen konnte kaum glauben, was die Frau gesagt hatte. Doch in seinem Herzen spürte es die Wahrheit ihrer Worte. Niemand holte es, um den Menschen als Nahrung zu dienen. Es beobachtete den Wuchs des Baumes und war erfüllt von einer nie gefühlten Freude.
Es kam der Tag, an dem der Baum die ersten Früchte trug. Einige warf er ab, direkt ins Tiergehege. Die Tiere, die sie aßen, erhielten die gleiche Immunität und innere Freude, wie das Schweinchen selbst. Am Silvestertag kamen die ersten Menschen, die des Baumes ansichtig wurden. Der erste pflückte sich einen Apfel und biss hinein. Man konnte dem Wandel direkt zuschauen. Ein inneres Licht begann nach außen zu strahlen und er warf den Tieren einen liebevollen, wohlwollenden Blick zu. Immer mehr Menschen kamen und die Reihe derer, die von den Früchten kosten wollten, wurde immer länger. Doch es lag eine angenehme Ruhe und Stille über allem. Niemand drängelte sich vor. Es gab keine bösen Worte und die Früchte auf dem Baum wurden nicht weniger. Einige der Menschen, die schon von den Früchten gegessen hatten, begannen, die Zäune zu entfernen, sodass die Tiere in Freiheit gelangten. Irgendwann fragte jemand: „Seit wann steht dieser Baum hier?“
Da erzählte eines der Artgenossen vom Schweinchen die ganze Geschichte. Man wollte das kleine Schweinchen auf Kissen betten, um ihm besondere Ehre zu erweisen. Doch das kleine Schweinchen wollte dies nicht. Es wusste, dass es nicht sein Verdienst war, sondern dass es Gott war, der all das getan hatte. Es selbst war nur der Schlüssel zu dem unsichtbaren Tor, dass die Vorsehung wahr werden ließ. Es fühlte sich am wohlsten in der Natur und so blieb es auch da. Doch die Menschen schufen ihm ein Denkmal, und als Erinnerung an seine mutige Tat zur Wiedererweckung des Paradieses auf Erden, in dem die Liebe alles neu gestaltet und der Mensch dem Leben dient und es achtet, wird zum Neujahrstag ein kleines Schweinchen verschenkt. Dieses ist bleibende Erinnerung daran, dass es auf die mutige Tat ankommt, um den Träumen in unseren Herzen Leben einzuhauchen. Es erinnert daran, dass es nicht auf die Größe ankommt, sondern auf Glauben und Vertrauen, dass Träume wahr werden und Gottes Liebe durch den, der handelt, wirken kann.
Wenn ein Tier das kann, sollten wir Menschen dies erst recht bewerkstelligen können. Da nichts im Universum sterben kann, wird auch der Traum vom Paradies auf Erden auf ewig leben, bis… es wieder werden wird. Denn auch Gottes Wort bleibt auf ewig wahr und seine Liebe hält den Traum in den Menschen wach. Und sei es auch nur einer, der diesen in sich bewahrt, um ihn mit anderen zu teilen. Ein neues Jahr – ein neues Glück… schaut nach vorn und nicht zurück.
Möge das Glück in Dir fühlbar werden und bleibende Wohnstatt in Dir finden. So sei es!


Aufgeschrieben von Ines Evalonja

 

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Geschichten und Märchen im Sammelband

 

Inzwischen sind zwei Sammelbände erschienen:

 

"Dem Glück und der Freude auf der Spur" und "Leuchtspuren des Glücks"

 

Die Bücher sind im Buchhandel erhältlich, u.a. hier:

 

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